Die Regierung rechnet mit katastrophalen Auswirkungen, wenn weiter radioaktiv verseuchte Substanzen aus dem AKW Fukushima I ins Meer strömen. Man müsse die Ausbreitung in den Ozean dringend stoppen.
Riesige Auswirkungen auf den Ozean: Japan sorgt sich um das radioaktive Wasser vor Fukushima I. (1. April 2011)
«Wenn die gegenwärtige Lage mit der Anreicherung radioaktiver Substanzen über lange Zeit anhält, wird es riesige Auswirkungen auf den Ozean haben», sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Betreiberfirma Tepco forderte er auf, schnell zu handeln.
Tepco liess jedoch erst einmal zehn Millionen Liter schwach radioaktiv belastetes Wasser aus dem AKW ab. Es sei 100 Mal stärker verstrahlt als rechtlich zulässig, teilt das Unternehmen mit. Bei dem Wasser handelt es sich um Kühlwasser, das sich in den Reaktoren angesammelt hat. Es müsse abgelassen werden, um Platz für stärker belastetes Kühlwasser zu schaffen.
Die grosse Suche nach Lecks
Mit einem milchig-weissen Farbstoff versuchen die Arbeiter im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi Lecks zu finden, durch die radioaktiv kontaminiertes Wasser unkontrolliert ins Meer fliesst. Am Wochenende war bereits ein rund 20 Zentimeter langer Riss in einem Wartungsschacht entdeckt worden. Versuche, das Leck mit Beton und Kunstharz zu verschliessen, schlugen offenbar fehl. Vermutlich, weil auch anderswo Risse bestehen.
Mit dem Farbstoff sollen nun die Wege des Wassers nachvollzogen werden. Arbeiter hätten dazu kiloweise Salze ins Wasser geschüttet, die normalerweise dafür benutzt würden, Badewasser eine milchig-blaue Farbe zu verleihen, teilte Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Es könne noch weitere Wege geben, durch die Wasser ausfliesse, sagte Hidehiko Nishiyama, Sprecher der Atomsicherheitsbehörde. «Wir müssen das sorgfältig beobachten und es so schnell wie möglich eindämmen.»
Jahrelange Arbeiten
Vermutlich werde es noch Monate dauern, bis die Kühlsysteme wieder voll funktionsfähig seien, sagten Vertreter der japanischen Regierung. Und selbst danach werde es noch jahrelange Arbeiten erfordern, um die Gebiete rund um das Kraftwerk zu dekontaminieren. Die behelfsmässige Kühlung macht es schwierig, das kontaminierte Wasser am Auslaufen zu hindern. «Auch wenn wir wissen, dass es Nebeneffekte wie die Lecks gibt, müssen wir weiter Wasser in die Reaktoren pumpen, um sie zu kühlen und weitere Schäden an den Brennstäben zu verhindern», sagte Nishiyama. «Wir wollen das angestaute Wasser loswerden und den Ort dekontaminieren, damit wir uns wieder unserer wichtigsten Aufgabe widmen können, der schnellstmöglichen Wiederherstellung einer stabilen Kühlung.»
Barrieren wurden bestellt
«Obwohl die Kontamination im Ozean schnell verdünnt wird, wird die Zahl der radioaktiven Partikel immer grösser, je länger das weitergeht, und umso grösser werden die Auswirkungen auf den Ozean», sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Tepco gab bekannt, dass Barrieren bestellt worden seien, die normalerweise zum Auffangen von ausgetretenem Öl genutzt werden. Man hoffe, dass man so weitere Kontaminationen verhindern könne, sagte Tepco-Manager Teruaki Kobayashi. Wann die Barrieren eintreffen, war zunächst unklar.
Bevor die Arbeiter im Kraftwerk Fukushima die Kühlsysteme wieder betriebsbereit machen können, müssen sie das radioaktiv kontaminierte Wasser entsorgen, das sich unter den Turbinengebäuden von drei Reaktoren und verschiedenen anderen Bereichen des Komplexes angesammelt hat.
Einige der Unglücksreaktoren wurden vom US-Unternehmen General Electrics (GE) hergestellt. Der GE-Geschäftsführer Jeffrey Immelt traf sich mit einem Tepco-Vorstandsmitglied. Am Montag sagte Immelt, dass über 1000 Ingenieure von GE und seinem Partner Hitachi bei der Analyse der Probleme helfen. Immelt bot ausserdem Hilfe bei der Bewältigung der Stromknappheit an, die durch den Ausfall des Kraftwerks mindestens zehn Millionen Kilowatt beträgt. Aus den USA seien Gasturbinen auf dem Weg, die sowohl kurz- als auch langfristig eingesetzt werden könnten, sagte Immelt.
Sarkophag wird vorbereitet
Die japanische Regierung diskutiert unterdessen darüber, die Reaktoren des Kraftwerks zu versiegeln. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, wird erwogen, eine Hülle über die 45 Meter hohen Reaktorgebäude zu bauen und diese dann zu versiegeln.
Ausserdem planen die Behörden ein besseres Informationssystem für Katastrophenfälle. Allem Anschein nach hätten sich nur wenige Prozent der Bewohner von Gebieten, die am 11. März zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden waren, tatsächlich in Sicherheit gebracht, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung «Nikkei» unter Berufung auf das Kommunikationsministerium.
Möglicherweise bekamen viele Menschen zu wenig oder nichts von der Brisanz der Lage mit. Ausser über Fernsehen und Radio sollen die Menschen in Unglücksregionen künftig auch über Navigationssysteme im Auto, Mobiltelefone und andere Geräte automatisch mit detaillierten Informationen versorgt werden.
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Gruß
Der Honigmann
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