“90 Prozent der Täter sind Männer”
Das Thema kam von verschiedenen Seiten auf sie zu – doch anfangs wollte Produzentin Gabriela Sperl nicht genau hinsehen. Doch dann landete sie bei ihren Recherchen zu Kinderhandel und Kinderprostitution in Deutschland. Das war der Anfang von “Operation Zucker”.
Von: Astrid Hickisch

Gabriela Sperl
Die promovierte Historikern leitete von 1998 bis 2002 beim Bayerischen Fernsehen den Programmbereich Musik und Fernsehspiel. Unter ihrer Verantwortung entstanden Filme wie “Der alte Affe Angst” oder “Hierankl”.
2003 machte sie sich mit einer Produktionsfirma selbständig. Sie realisierte Filme wie “Marias letzte Reise”, den TV-Mehrteiler “Die Flucht” oder das Missbrauchsdrama “In aller Stille”. Für zahlreiche ihrer Filme schrieb sie auch das Drehbuch. Ihre Filme “Zuckerbrot”, “Familienkreise” und “Leben wäre schön” wurden mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Kinder waren nach dem Tsunami aus Krankenhäusern verschwunden, keiner wusste, wohin – das erzählte ein Freund der Filmemacherin Gabriela Sperl. Das war ihr erster Kontakt mit dem Thema “Kinderhandel”. Bei den folgenden Recherchen zum Thema in Asien erkannte Gabriela Sperl, dass viele Kinder auch nach Deutschland verkauft werden – und zur Prostitution gezwungen werden. Sie stößt auf den Fall des Kommissars und des Staatsanwalts in einer deutschen Stadt, die gegen ein Kinderhandel-Netzwerk ermittelt hatten. Jemand bringt sie in Kontakt mit dem Mann, der in der Figur des Ronnie im Film seine Entsprechung hat. Der reale Ronnie hatte jahrelang Kinder für potentielle deutsche Freier “beschafft”.
Missbrauchter Junge entdeckt Peiniger auf Wahlplakat
Gabriela Sperl sprach mit Streetworkern, Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, Journalisten. Ein Streetworker berichtete ihr von einem Jungen, der seinen Peiniger auf einem Wahlplakat in der Stadt entdeckt hatte. Er entschloss sich, gegen seinen Vergewaltiger und Folterer vorzugehen. Doch bei den Vernehmungen setzte man ihn unter Druck und glaubte ihm letztendlich nicht. Die Taten blieben ungesühnt, der Politiker ist mit seinen Verbrechen an dem Jungen bis heute ungestraft davongekommen.
Ein Netzwerk verhindert Aufklärung und Ahndung
ei der Stoffsammlung zum Film begegnete Gabriela Sperl, wie sie im Interview mit br.de berichtet, immer wieder denselben Mechanismen: Männer aus hohen Positionen in Wirtschaft, Politik und Justiz, oft selbst Familienväter, vergewaltigen Kinder, die ihnen über die organisierte Kriminalität zugeführt werden und sorgen dann über ihr eigenes Geflecht an Kontakten dafür, dass ihr verbrecherisches Tun ungestraft bleibt. Ermittler und Hilfsorganisationen müssen ohnmächtig zusehen. “Dabei sind nur 50 Prozent der Männer, die sich in dieser Art an Kindern vergehen, pädophil”, so Sperl. “Für die anderen bedeutet es einen ‘Kick’, Kinder sexuell zu missbrauchen: Es ist teuer und verboten. Das bestätigen die Forschungen. Diese Männer spalten solche Erfahrungen aber total von ihrem übrigen Leben ab, blenden sie komplett aus.”
Zwei Autoren gaben auf angesichts des unfassbaren Leids
Während der Recherchen gingen Gabriela Sperl die Schicksale der Kinder irgendwann so nah, dass sie an dem Drehbuch nicht weitermachen konnte. Zu krass war das, was sie erfahren hatte. Sie rief sich Drehbuchautor Rolf Basedow (Drehbuch für “Im Angesicht des Verbrechens“) zu Hilfe. Doch auch der kapitulierte angesichts der unfassbaren Leiden, die Kinder in der Hand von Menschenhändlern und durch deutsche Freier erdulden müssen. Philip Koch (Autor und Regisseur des Gefängnisdramas “Picco”) vollendete das Drehbuch zum Film dann.
Dass die beiden Hauptfiguren des Films, Kommissarin Wegemann (Nadja Uhl) und Staatsanwältin Lessing (Senta Berger) weiblich sind im Gegensatz zur realen Vorlage, hat Gründe. Zuallererst sind die Täter, also Kinderhändler, Zuhälter und Vergewaltiger von Kindern fast ausnahmslos Männer. Andererseits haben Frauen, die in harten Männerberufen arbeiten wie bei der Polizei oder in der Justiz, die Tendenz, sich abzuschotten und Emotionen abzublocken, so Sperl. Kommissarin und Staatsanwältin machen im Film eine Wandlung durch, bevor sie beginnen, ihre Empathie zuzulassen und sich mit aller Kraft für die Kinder einzusetzen.
Die Mechanismen sind die gleichen
Für Schlagzeilen hatte 2008 der sogenannte Sachsensumpf gesorgt. Darin war es unter anderem auch um das Etablissement “Jasmin” gegangen, in dem Kinder von Freiern aus Politik, Justiz und Wirtschaft missbraucht worden waren. Zwei der damaligen Opfer hatten später, im Prozess gegen den Zuhälter, hohe Justizbeamte als frühere Freier wiedererkannt. Die mittlerweile erwachsenen Frauen stehen wegen Verleumdung vor Gericht, eine erste Verhandlungsrunde endete mit dem nervlichen Zusammenbruch der beiden Frauen:
“Der Sachsensumpf hat mit unseren Recherchen direkt nichts zu tun. Es ist für uns aber symptomatisch, wie mit diesem Fall umgegangen wird: Man stilisiert diese heute vor Gericht stehenden Frauen, die Opfer sind, zu Täterinnen. Man setzt sie so unter Druck, dass sie verhandlungsunfähig werden. Man konfrontiert sie mit ihrem Zuhälter, sie brechen zusammen und die Justiz muss das nicht weiter verfolgen”, sagt Gabriela Sperl.
gefunden bei: http://www.br.de/themen/kultur/inhalt/gesellschaft/operation-zucker-hintergrund-100.html.
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“Sachsen-Sumpf” Verfassungsgericht befasst sich erneut mit Korruptionsaffäre
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Die als “Sachsen-Sumpf” bezeichnete Affäre war im Mai 2007 durch Bekanntwerden einer Datensammlung des sächsischen Verfassungsschutzes zu angeblichen kriminellen Netzwerken mit Beteiligung hochrangiger Juristen ausgelöst worden. Die in dem Dossier aufgelisteten Vorwürfe weisen auf einen schweren Fall von Organisierter Kriminalität hin, in dem – ähnlich wie im belgischen Fall Dutroux – führende Vertreter von Justiz, Politik und Polizei durch Kinderprostitution korrumpiert worden sein sollen.
Investigative Journalisten, die den Skandal aufzuklären suchten, wurden drangsaliert und gerichtlich verfolgt. Heinz Fassbender, ehemals ZDF Kennzeichen D, wurde überfallen, gefoltert und lebensgefährlich verletzt, ist heute Frührentner. Ein Teil seiner Unterlagen, die er dem sächsischen LKA übergab, will dieses „verloren“ haben. Ein Verfahren gegen einen pädophilen Staatsanwalt bricht zusammen und wird eingestellt, die Akte verschwand auf dem Postweg. Dagegen wurde gegen Fassbender ermittelt: wegen Verleumdung. Peter Hornstadt. Der die Recherche fortsetzte, ereilt das gleiche Schicksal. Überfallen, halb totgeschlagen. Nur knapp gerettet, lebt in Pflegestufe II. Und wieder hilft die Justiz nicht. Wie im Fall Fassbender wird unterstellt, er habe sich selbst verstümmeln lassen, um an die Rente zu kommen. Wie im Fall Fassbender wird dieser Verdacht der Sozialkasse mitgeteilt, er muss vor Gericht um seine Rente kämpfen. Auch Hans-Werner Lange recherchiert – mit Unterstützung von Heinz Faßbender – im sächsischen Pädophilenmilieu. Durch eine Reihe skandalöser Prozesse, in dem ausgerechnet Sachsensumpfverdächtige Richter und Oberstaatsanwälte zu Gericht sitzen, wird der Mann ruiniert – Lange’s Schaden geht inzwischen in die Millionen. Am Ende stehen Ermittlungsverfahren gegen 20 Journalisten, die mit dem Fall Sachsensumpf befasst waren.
Desinteresse der Politik und Eingriffe durch die Justiz tauchten in der Vergangenheit auf internationaler Ebene wiederholt auf, wenn es dem Organisierten Verbrechen gelang, Establishmentvertreter ins Rotlicht/Pädophilenmilieu zu ziehen. Die Erklärung dafür liegt in dem naheliegendsten „Ziel der Übung“: Erpressung. Häufig gibt es dabei eine Geheimdienst-Connection. So hat der im August 1996 verhaftete belgische Kinderhändler Marc Dutroux, dem der Mord an mehreren Mädchen zur Last gelegt wird, nach Recherchen der „Welt“ zeitweise im Auftrag der Stasi gearbeitet. „Es gab in der Tat Hinweise, wonach sich solche Informationen in dem Stasi-Material wieder finden, das dem CIA zugespielt wurde. Der belgische Geheimdienst wäre gut beraten, diese Unterlagen gründlich auszuwerten“, sagt der ehemalige Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl, Bernd Schmidbauer (CDU).
Die CIA hatte sich in den Wendezeiten Material über die Spionageabteilung der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS sichern können. Wegen der Brisanz der darin enthaltenen Informationen auch über westeuropäische Politiker werden diese Unterlagen nach wie vor der Öffentlichkeit vorenthalten. Lediglich Geheimdienste durften in die von der CIA gefilterten Berichte Einsicht nehmen. Nach Expertenmeinung erklärt das, warum die Ermittlungsbehörden sowohl den Fall Dutroux als auch das Verschwinden von Manuel bislang nicht klären konnten. Der seit 1993 vermisste Junge wurde nach Zeugenaussagen ins niederländische Kinderporno-Milieu verschleppt. Sein Vater Rainer Wolf, ein in der DDR-Friedensbewegung eingesetzter Stasi-Mitarbeiter, war bereits vor Jahren in den Verdacht geraten, seinen Sohn selbst ins Kinderporno-Milieu verbracht zu haben.
Die Affäre Dutroux warf seinerzeit das Augenmerk auf einen ähnlich gelagerten Fall in den Vereinigten Staaten, der Ende der 80er Jahre durch Kongresshearings und die Arbeit einer Untersuchungskommission zu den Vorfällen des Iran-Contra-Komplexes an die Öffentlichkeit gelangte. Die für unsere Thematik interessanten Ermittlungen “endeten” bei der Franklin Credit Bank in Omaha/Nebraska, die von Larry King geleitet wurde, einem einflussreichen Funktionär der Republikanischen Partei, der sein Kreditinstitut den Geheimdiensten zu Geldwäschezwecken offen hielt. Als der ehemalige Senator von Nebraska, John DeCamp, sich näher mit Kings Aktivitäten befasste, entdeckte er einen landesweiten Pädophilenring, der einflussreiche Geschäftsleute und führende Vertreter der Republikanischen Partei mit Minderjährigen versorgte.
Ganz ähnlich lagen die Dinge in Großbritannien, wo das – inzwischen eingestellte – Scallywag Magazine nachweisen konnte, dass der Inlandsgeheimdienst MI5 ausländische Diplomaten in Wales an Minderjährige heranführte um diese anschließend bei Sexspielen zu filmen. Über ein Dutzend Opfer, die den Sklavenähnlichen Verhältnisse entkamen und ihr Leid an die Öffentlichkeit trugen, starben unter zweifelhaften Umständen.
Auch bei den belgischen Vorfällen wurden Videomitschnitte sichergestellt, die Prominente beim Sex mit Minderjährigen zeigten. Sie wurden nie veröffentlicht. Der in dem Fall ermittelnde Richter Connerrote wurde auf höchste Weisung von seinen Untersuchungen entbunden, weil er – wie die französische Le Soir schrieb – nicht bereit war, die Vorladung hoher amerikanischer Diplomaten, leitender Regierungsbeamter und Schlüsselfiguren ähnlicher Missbrauchsskandale in Establishmentkreisen von Holland und Portugal zurückzuziehen.
Eine bemerkenswerte „Justizpolitik“ erfuhren in unseren Tagen nun auch die deutschen Journalisten Arndt Ginzel und Thomas Datt, die kritisch über den Sachsensumpf berichtet hatten. Gegenstand der Anklage waren Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel und bei Zeit Online . „Viel hat in dem Prozess darauf hingedeutet, dass Behörden Druck auf investigativ recherchierende Journalisten ausüben wollen“, kritisierte Michael Rediske, Vorstandssprecher der internationale Organisation Reporter ohne Grenzen. Er forderte einen klaren Freispruch. „Alles andere wäre ein Skandal“. Die beiden Journalisten wurden – verurteilt.
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lesen Sie den ganzen Artikel hier: http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2012/01/13/sachsen-sumpf-verfassungsgericht-befasst-sich-erneut-mit-korruptionsaffare/
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…danke an TA KI
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Gruß an die kommende Gerechtigkeit
Der Honigmann















