Vaticanus Aegyptiacus oder “der magische Vatikan”
Ein Artikel von © die-friedenskrieger
Wenn wir über Mystiker in der katholischen Kirche reden, dürfen wir einen nicht vergessen: Athanasius Kircher
Athanasius Kircher war ein deutscher Jesuit und Universalgelehrter des 17. Jahrhunderts, der die meiste Zeit seines Lebens am Collegium Romanum in Rom lehrte und forschte. Kircher veröffentlichte eine große Zahl ausführlicher Monografien über ein weites Spektrum von Themen unter anderem der Ägyptologie, Hyroglyphen, Geologie, Medizin, Mathematik u.s.w.
Friedrich Kittler bezeichnet Kircher als „eine Art wissenschaftliche Feuerwehr des Papstes: Mit Sonderaufträgen und Sondervollmachten war er immer zur Stelle, wenn wissenschaftliches Neuland zu betreten, aber auch im Namen der Kirche zu verteidigen war.“
Kirchers Motto lautete In uno omnia (In Einem alles).
Wir erinnern uns:
„So kamen mit der „Societas Iesu“ viele bedeutende Persönlichkeiten in Verbindung: die Kaiser Ferdinand II. und Ferdinand III., Sigismund III., König von Polen, der der Kompanie offiziell angehörte; der Kardinalinfant; ein Herzog von Savoyen. Und diese waren von nicht geringem Nutzen.“ (Pierre Dominique, op.cit., S.37)
Von 1614 bis 1618 besuchte er das Jesuiten-Kollegium in Fulda. Am 2. Oktober 1618 trat er in Paderborn dem Jesuitenorden bei. 1633 berief ihn Ferdinand II., Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation zum Nachfolger Johannes Keplers als Mathematiker an den Habsburger Hof (!!) nach Wien. Diese Berufung wurde allerdings auf Betreiben von Nicholas-Claude Fabri de Peiresc widerrufen. Dieser sorgte stattdessen für eine Berufung nach Rom an das Collegium Romanum, da sein Freund Kircher dort mehr Zeit für seine Forschungen – u. a. der Arbeit an der Entzifferung der Hieroglyphen – haben würde. Nicholas-Claude Fabri de Peiresc schenkete Kircher Teile seiner ägyptischen Sammlung und legte damit den Grundstein zum berühmten Museum Kircherianum am Collegium Romanum in Rom. Peiresc pflegte übrigens einen ausgedehnten Briefwechsel mit diversen sehr einflussreichen Gelehrten, Künstlern und hohen Würdenträgern in ganz Europa.
Kirchers Buch Magnes (1641) beschäftigte sich, man höre und staune vornehmlich mit Magnetismus, auch andere Formen der Anziehung wie Gravitation und Liebe
„Alles ist durch geheime Knoten miteinander verbunden“ (Athanasius Kircher)
Kirchers heute vielleicht bekanntestes Werk ist der “Œdipus Ægyptiacus” (1652), eine breite Studie zur Ägyptologie und zur vergleichenden Religionswissenschaft.
Kirchers Interesse an Ägyptologie wurde geweckt, als er 1628 in der Bibliothek von Speyer auf eine Hieroglyphensammlung stieß. 1633 lernte er Koptisch und veröffentlichte 1636 die erste Grammatik dieser Sprache (Prodromus Coptus sive Aegyptiacus). In seinem Werk Lingua Aegyptiaca restituta von 1643 argumentiert er korrekt, dass Koptisch keine separate Sprache sei, sondern die letzte Ausbaustufe der antiken ägyptischen Sprache. Er erkannte auch die Beziehung zwischen hieratischen Schriftzeichen und den Hieroglyphen. In Nicholas-Claude Fabri de Peiresc fand er einen Mitstreiter.
In Œdipus Ægyptiacus argumentiert er, dass die antike ägyptische Sprache von Adam und Eva gesprochen wurde, dass Hermes Trismegistos und Moses ein und dieselbe Person gewesen, und die ägyptischen Hieroglyphen okkulte Symbole seien, die nicht wörtlich übersetzt, sondern nur allegorisch (sinnbildlich) ausgelegt werden könnten, daher ihre wahren Gehalte nur dem Eingeweihten vorbehalten seien. Er nahm an der Aufstellung der Obelisken in Rom teil und ist für die Hinzufügung der Hieroglyphen an einigen derselben verantwortlich. In Rom findet man sehr viele Obelisken.

Phalluskult direkt auf dem Petersplatz
Der 25 m hohe Obelisk Vaticano steht mitten auf dem Petersplatz vor dem Petersdom. Plinius der Ältere erwähnt einen unbeschrifteten Obelisk des Pharaos Nektanebos II. Da der Obelisk auf dem Petersplatz der einzige ohne Inschrift ist, ist angenommen worden, dass es sich um diesen Obelisken handelt.

Das ist der Obelisk auf der Piazza del Popolo. Drei Seiten des Hieroglyphen-Textes stammen von Sethos I., die vierte von seinem Sohn Ramses II.. Es handelt sich um eine Anrufung des Gottes Horus, in der auch erwähnt wird, dass Sethos den Obelisken in Anu (Heliopolis) aufgestellt hat.

Vor dem Palazzo Montecitorio steht der Obelisk Solare. Die meisten der ägyptischen Inschriften sind erodiert und kaum lesbar. Lediglich eine Aufzählung der Namen und Titel des Königs ist gut zu entziffern: Der goldene Horus, verschönert die beiden Länder, geliebt von Aton, Herr von Heliopolis, König von Ober- und Unterägypten, geliebt von Re-Harakhti, der die Weiße Krone erlangte und die Doppelte Krone vereinte, Psammetich, geliebt von den Seelen Heliopolis.
Rom ist die Stadt mit den meisten antiken Obelisken und wird daher auch die Stadt der Obelisken genannt. Acht altägyptische und fünf antike römische Obelisken sind im Stadtgebiet aufgestellt, ein weiterer wird gerüchteweise in der Nähe der Kirche San Luigi dei Francesi vermutet. Die Obelisken wurden größtenteils von den römischen Kaisern aus Ägypten nach Rom gebracht, einige auch direkt in Rom angefertigt. Von den Päpsten wurden sie wieder aufgerichtet und an neuen Standorten aufgestellt.
So viel „Ägyptische Kunst“ in Rom und der Jesuit Atanasius Kirchner war geradewegs „besessen“ davon. Kircher beschäftigte sich auch mit der Sage um Atlantis.

Links Pater Adam Schall von Bell, Hofastronom in Peking, rechts Pater Matteo Ricci, der Begründer der jesuitischen Chinamission
Im Katalog der Wolfenbütteler Ausstellung “China illustrata” von 1987 lesen wir über Kirchners Buch: ” ‘China monumentis illustrata’ (1667) bedeutet einen Meilenstein in der europäischen Chinakenntnis. Die Fülle des von Kircher verarbeiteten Materials wie auch die superben Abbildungen machten das Werk zu einem der meistgelesenen Chinabücher der frühen Neuzeit.”
Kircher entwickelte ein frühes Interesse an der chinesischen Kultur, schon 1629 übermittelte er seinem geistlichen Mentor, dass er Missionar in diesem Land werden wolle. Sein Werk China monumentis qua sacris qua profanis (…) illustrata (“China, illustriert anhand seiner heiligen und weltlichen Denkmäler…”) war eine Enzyklopädie über das Kaiserreich China, welche akkurate Kartografie mit mystischen Elementen wie Drachen verband. Die Texte beruhen großenteils auf Arbeiten von Ordensbrüdern.
1601 gründete der Jesuitenpater Matteo Ricci die Missionsstation Peking. “Propaganda fidei per scientiam” war die Devise der Jesuiten. Dank ihres großen Ansehens beim Kaiser als Mathematiker, Astronomen und Geographen gelangten sie in hohe Hofämter und fanden so ein Forum, ihre missionarischen Ziele voranzutreiben. Sie verstanden es auch, die christliche Lehre geschmeidig der chinesischen Vorstellungswelt anzupassen. 1644 löste die Mandschu-Dynastie die Ming-Dynastie ab. Unter dem zweiten Mandschu-Kaiser, K’ang-hsi (1662-1722), einem sehr interessierten und toleranten Herrscher, erlebte die Jesuiten-Mission ihre Blütezeit.
Doch Atanasius Kircher war noch für etwas Weiteres bekannt, nämlich für die Übersetzung der „Memphitischen Tafel“. Sehr viele Autoren schreiben heute innerhalb der „New-Age“-Literatur über die Tabula Smaragdina, die als eine verdichtete Version der „Memphitischen Tafel“ betrachtet werden kann.
„Himmel oben, Himmel unten
Sterne oben, Sterne unten,
Alles, was oben, ist auch unten
Solches nimm und sei glücklich.“
(Prodromus Coptus. Kap. 7, S. 173)
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Wie oben so unten?
Den Fundort des Textes der Memphitischen Tafel Ägypten (Memphis) zuzuordnen, folgt der Tradition der meisten Alchemisten, die Ursprünge ihrer Gedankenwelt im alten Ägypten zu sehen, oft personifiziert in Hermes Trismegistos, dem „Ägyptischen Weisen“, der laut Atansius Kircher kein anderer als Mose höchstpersönlich war.
In der Tabula Smaragdina und in der Memphitischen Tafel wird der alchemistische Grundgedanke der Polarität der Welt und der Spiegelung des Makrokosmos im Mikrokosmos und „vice versa“ in eine knappe Formulierung gebracht: Das Leben wird begriffen als Prozess des „Abstieges“ des Geistes in die Materie und der durch stufenweise Vervollkommnung erreichbaren Rückkehr zum Ursprung. „Im Tod schließt sich der Kreis von Abstieg und Rückkehr des Geistes.“ Symmetriebildungen spielen in der Alchemie sowohl in der Bildsprache als auch in den alchemistischen Verfahren eine große Rolle.
Die ältesten bekannten Aufzeichnungen über die Alchemie, insbesondere die Tabula Smaragdina, stammen aus dem alten Ägypten und dem hellenistischen Griechenland. Das Große Werk (Popus Magnum) ist ein Begriff aus der mittelalterlichen europäischen Alchemie, der sich auf die erfolgreiche Umwandlung des Ausgangsstoffes in Gold oder auf die Schaffung des Steins der Weisen bezieht. Danach wurde er als Metapher für eine geistige Umwandlung in der Hermetischen Tradition verwendet.
Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich das Opus Magnum zu einem unentwirrbaren Gemisch unterschiedlichster Anweisungen und Erfahrungen, die den praktischen Prozess immer unverständlicher werden ließen. Genau dieses unentwirrbare Netz aus Gedanken und Bildern ließ den Begründer der Analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung, zu dem Schluss kommen, dass der Schritt von der Quarternität zur Trinität mit inneren und psychischen Gründen zu erklären sei. Nicht äußere bzw. praktische Prozesse wurden im Großen Werk beschrieben, sondern unbewusst innere Zusammenhänge in die Materie und Arbeitsweise hineinprojiziert.
Dieser Ansatz entwickelte sich auch parallel zur praktischen Alchemie in der abendländischen Mystik. So sprach man bei den Rosenkreuzern auch von geistiger bzw. theoretischer Alchemie, die eine Vollendung des eigenen Menschen mit sich bringen sollte. Die „Transmutation der Psyche“ wie sie die antiken Mysterienkulte lehrten, durch Leiden, Tod und gewandelte Auferstehung des Adepten zu einer neuen, göttlichen Existenz, wurde in den alchemistischen Werkstätten seit der Antike auf die Materie projiziert.
Der Psychoanalytiker Herbert Silberer arbeitete in seinem Hauptwerk “Probleme der Mystik und ihrer Symbolik” (1914) wohl als Erster die psychologische Dimension der Alchemie heraus. Der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Carl Gustav Jung sah in den Arbeitsmethoden und Wandlungsbildern der Alchemisten eine Parallele zu den Traumbildern moderner Menschen während ihrer biographischen Selbstfindung. Dabei spielen persönliche Probleme, scheinbar unlösbare Aufgaben, existenzielle Krisen oder notwendige Reifungsprozesse eine große Rolle. Er nannte diesen Prozess Individuation und beschrieb ausführlich die Abläufe und Gesetzmäßigkeiten dieser unbewussten Bilderwelt oder „Transmutation der Psyche“. Die Erforschung der Individuation betrachtete er als wesentliche Aufgabe seiner Analytischen Psychologie.
Ist es nicht interessant, wem wir diese ganzen Errungenschaften wie Alchemie, Psychologie, etc. und deren „Sumpfblüten“ zu verdanken haben? Ist es nicht interessant, wessen Forschungen heute die Grundlage vieler Bewegungen bilden?
Im Internet wird einerseits gegen „die Illuminati“ gewettert, doch deren „Lieblingsbeschäftigungen“ werden in höchsten Tönen gelobt.
Das ist wirklich schizophren!
Die Jesuiten kontrollierten nahezu alle Gelehrte jener Zeit wie Kepler oder auch Newton.
“Ein weiterer Streit – mit englischen Jesuiten in Lüttich – brachte 1678 das Fass zum Überlaufen: Newton erlitt einen Nervenzusammenbruch.“ (Wikipedia über Newton)
Newton galt übrigens als einer der ersten Chronologiekritiker (!). Unsere gesamte Geschichte über die Antike bis zur Renaissance wurde von Jesuiten aus dem 16. bis 17. Jahrhundert zusammengezimmert, wobei das Meiste von betrügerischen Mönchen aus dem 12. Jahrhundert (!) stammt.
Doch zurück zu Atanasius Kircher, der sich noch auf anderen Gebieten einen Namen machte, z. B. in der Entwicklung von magischen Sigillen oder in der Darstellung des Sefiroth-Baums (dem Herzstück der Kabbala). Er deutet die Kabbala als “Tradition bis hin zu Moses“. Auch Pico de Mirandola, Ficino, begründeten diese Sichtweise mit dem Selbstverständnis der Kabbalisten, welche für sich beanspruchten, “Wahrer der mosaischen Tradition”, also des Hermes Trismegistos zu sein.

Oedipus Aegyptiacus, 1652-54
„Oedipus Aegyptiacus“ ist das bedeutendste Werk Athanasius Kirchers über Ägyptologie. Das drei Bände umfassende Buch, voller kunstvoller Illustrationen und Diagrammen, wurde in den Jahren 1652 bis 1654 in Rom publiziert. Kircher behauptete, dass seine Quellen für Oedipus Aegyptiacus die chaldäische Astrologie, die hebräische Kabbalah, die griechische Mythologie, die pythagoräische Mathematik, die arabische Alchemie und die lateinische Philologie seien. Wie bereits Pico della Mirandola und Marsilio Ficino vor ihm, suchte auch Kircher das Wissen vorchristlicher Kulturen der katholischen Welt zu begründen. Kirchers Oedipus Aegyptiacus ist ein klassisches Beispiel für synkretische und eklektische Gelehrsamkeit in der späten Renaissance. Es ist repräsentativ für die barocke Extravaganz in den Vorstellungen der von der Hermetik beeinflussten Gelehrten vor der modernen Ära der Wissenschaft.
„Aber kein Mann ist wohl so über die Maßen fundiert im Ozean dieser Doktrin, als das rühmliche Beispiel befleißigten Lernens, Kircher.“ (Sir Thomas Browne)
In seinem Werk „Oedipus Aegyptiacus“ berichtet Kircher über „ein ewiges Licht“ welches in den Gewölben von Memphis vorzufinden war. Kirchers Begeisterung für die verlorene Kultur und Sprache der alten Ägypter bildete sich kurz nach seiner Ordination in den Priesterstand heraus, als er 1628 Tertian in Speyer wurde, wo er in Howart von Hohenburgs “Thesaurus” auf die Reproduktionen der Hieroglyphen vom Sixtinischen Obelisken stieß.

Sphinx Mystagoga
1672 fand ein Monsignore De Four einen Sarkophag und überführte ihn von Memphis nach Lyon, von wo aus er sich an Kircher wandte und ihn bat, die hieroglyphischen Inschriften auf dem Sarg und auf dem Hüllstoff der Mumie zu übersetzen. Dies bildete den Stoff für “Sphinx Mystagoga”, das letzte von Kirchers sechs Büchern zu Ägyptologie. In diesem Band setzt sich Kircher mit Bestattungsriten, Metempsychose und Reinkarnation auseinander.
Ist es nicht interessant, wenn ein Jesuit über 40 Bücher über alle denkbaren Wissensgebiete schreibt, vor Allem jene, die sich mit Ägyptologie, Magie, Astrologie, Reinkarnation und Kabbala beschäftigten?
Kircher holte sich seine Anregungen von den Großen der Zeit wie Kepler, von seinen jesuitischen Mitbrüdern, die exotische Länder bereisten, aus den Traktaten der hermetischen Wissenschaften, aus archaischen Traditionen u.s.w. Er las die ägyptischen Hieroglyphen nach den Anregungen von Giamblico und deutete eine der Zeichenfolgen: „Die Segnungen des göttlichen Osiris müssen durch heilige Zeremonien und durch die Kette der Geister herbeigeführt werden, damit man die Wohltaten des Nils empfängt“.
Das von ihm gegründete aber bereits „offiziell“ aufgelöste „Museo Kircheriano“ im Collegium Romanum war eine „Wunderkammer“ voller Kuriositäten aller Art. Er wird übrigens als „The last man who knew everything“ (als der letzte Mann, der alles wusste“ bezeichnet.

Romani Collegii Societatis Jesu Musaeum Celeberrimum
Besonderes Interesse brachte Kircher dem Wirken unsichtbarer Kräfte entgegen. Dazu gehörte natürlich auch das Wünschelrutenphänomen. Bei seinen diesbezüglichen Untersuchungen war er vor allem bestrebt, jede Spur von Mystizismus von der „virgula divinatoria“ zu entfernen und änderte zuallererst den Namen in „virgula metalliscopia“ (Metalloskop), die er folgendermaßen beschreibt:
„Die Wünschelrute oder das Metalloskop wird im besonderen benützt, um nach Metallen zu suchen. Wie funktioniert das? Als erstes schneidet man einen Stock aus Haselholz, den man für geeignet hält, um damit Adern zu finden, mit einem Messer ab. Es ist in der Tat notwendig, die Finger zusammenzudrücken, zum Himmel zu blicken und die Rute bei ihren Hörnern zu nehmen. In Deutschland nimmt man auch einen sehr dicken Haselzweig mit einer Gabelung, teilt ihn in zwei Teile, höhlt das Ende des einen Teils aus und lässt das Ende des anderen Teiles in der Weise spitz zulaufen, dass er in die Höhlung hineinpasst.“
Gott sah Kircher mehr als den zentralen Magneten des Universums an, den Universalen Magier (!!), in welchem sich die Bipolarität aller Dinge in der Vollkommenheit einer die Gegensätze versöhnenden Harmonie auflöst. Für Kircher war Ägypten der Hort der ältesten und unverfälschten göttlichen Weisheit, von der sich alle anderen Systeme ableiteten. Durch die Kenntnis und den Vergleich dieser anderen Systeme hoffte er, Rückschlüsse auf die ägyptische Weisheit ziehen zu können. Daher ist der Oedipus Aegyptiacus voll von Vergleichen mit anderen Kulturen von China bis Mittelamerika. Kircher war nämlich der Ansicht, dass alle Kulturen der Welt einen Teil der „göttlichen Offenbarung und Wahrheit“ bewahrt hätten.
Ich denke, ich muss hier nicht extra erwähnen um „wessen Wahrheit“ es sich hier im eigentlichen Sinn handelt!
Es wird auch vermutet, dass es Kircher war, der den Memphis-Misraim-Ritus von Venedig nach Deutschland brachte.
Ägyptische Maurerei
Der Memphis-Misraïm-Ritus, auch Alter und Primitiver Ritus von Memphis-Misraïm oder kurz ägyptische Maurerei, beschreibt ein „irreguläres“ freimaurerisches Hochgradsystem. Der erst 1788 in Venedig „offiziell“ begründete Misraïm-Ritus beinhaltete ein komplexes System aus 90 Graden. Seine ältesten Dokumente sind in italienischer Sprache verfasst.
Unter der Bezeichnung ägyptische Maurerei werden die komplexen Hochgradsysteme des Memphis-Ritus mit seinen 95 Graden und des Misralm-Ritus mit 90 Graden verstanden, die ursprünglich voneinander getrennte Systeme bildeten. Misraim ist der alte Name für Ägypten, von dessen Tradition sich „die Väter dieses Ritus“ inspirieren ließen. Der Alchemist Alessandro Cagliostro gilt als deer angebliche Gründer des Ritus.
Nachdem er mit den Behörden in Konflikt geriet, floh er aus seiner Heimat Sizilien und reiste nach eigenen Angaben nach Griechenland, Ägypten, Arabien, Persien, Rhodos, wo er angeblich Unterricht in Alchemie und verwandten „Wissenschaften“ bei dem Griechen Althotas nahm, und schließlich nach Malta. Dort stellte er sich beim Großmeister des Malteserordens als Graf Cagliostro vor. Von diesem, dessen Interessen auch in der Alchemie lagen, erhielt er Empfehlungen für die berühmten Häuser von Rom und Neapel. In Rom gründete er Jahre später angeblich eine Loge. Von der Inquisition wurde er 1789 verhaftet, in der Engelsburg eingekerkert, der Häresie angeklagt und zum Tode verurteilt, aber das Urteil wurde 1791 in lebenslange Haft umgewandelt. Er starb im Gefängnis von San Leo bei San Marino. Es ist umstritten, ob er es war, der während seiner Gefangenschaft „Die heiligste Trinosophie“ verfasst oder ob sie doch dem Graf von Saint Germain zuzuschreiben ist, zumindest trug er es auf seiner letzten Reise nach Rom bei sich.

Die heiligste Trinosophie ist ein französisch esoterisches Manuskript des 18. Jahrhunderts und wird dem Graf von Saint Germain zugeschrieben. Es war im Besitz des Alessandro Cagliostro und wurde von der Inquisition während dessen Inhaftierung im Jahr 1789 beschlagnahmt. Es ist eine initiatorische alchimistische Offenbarung mit erklärenden okkulten Symbolen. Das Original MS 2400 ist reichlich mit Illustrationen geschmückt und befindet sich in der Bibliothek von Troyes. Derzeit sind keine weiteren Versionen des Manuskriptes bekannt.
Saint Germain spielte in verschiedenen Freimaurerzirkeln, die damals im Deutschen Reich den Zugang zu einflussreichsten Kreisen ermöglichten, eine bedeutende Rolle und schuf sich so eine neue Legende: Beispielsweise war Cagliostro sehr daran gelegen, als sein Schüler zu gelten. Rätselhaft sind die Herkunft des Grafen von Saint Germain und die Quellen seines Reichtums.
Nach Casanova war er ein italienischer Geigenspieler namens Catalani. Das Urteil des Venezianers, der selbst zeitweilig in einem Orchester Geige spielte, wiegt schwer: Saint Germain muss sicherlich in seinen jüngeren Jahren längere Zeit in Italien aufgewachsen sein.
Der Arzt Franz Anton Mesmer, der die Lehre vom Animalischen Magnetismus (Bio-Energie) formuliert hat, soll ein Schüler des Grafen gewesen sein. Die Spiritistin und gelehrte Begründerin der „Theosophie“ Madame Blavatsky hielt Saint-Germain für einen der „geheimen tibetischen Weisen“.
Die I-am-Bewegung (Ich bin) verehrt ihn heute als spirituelle Leitfigur. Saint Germain ist für “vermeintlich spirituelle Menschen” ein aufgestiegener Meister und Mitglied der weißen Bruderschaft. Er wird in diversen Formen und durch Anrufung gechannelt. Für jene gelten die aufgestiegenen Meister als Nachfolger von Abraham und Moses. Auch der Mann, den wir als „Jesus Christus“ kennen, soll jener Linie angehört haben.
Die I-am-Bewegung ist klassische Gehirnwäsche.
Der in Venedig geborene Casanova schildert in seinen Memoiren anschaulich, wie der Graf von Saint-Germain Abendgesellschaften damit unterhielt, vorzugeben, Zeuge wichtiger, weit zurückliegender historischer Ereignisse gewesen zu sein, die er in genauen Einzelheiten schilderte und dabei sehr gute historische Kenntnisse durchblicken ließ. Casanova und Saint-Germain standen angeblich in Paris in Konkurrenz zueinander. Beide wollten Einfluss auf die reiche Witwe (Madame d’Urfé) gewinnen; Casanova ihres Geldes wegen, was er offen zugab. Die Motive von Saint-Germain blieben Casanova hingegen ein Rätsel, da er anscheinend nicht an ihrem Geld interessiert war.
Nachweisbar ist, dass Saint-Germain um 1710 erstmals in Venedig auftauchte.
Venedig
Interessant ist, dass die Stadt Venedig im Bezug auf „okkultes Wissen“ egal in welcher Form immer wieder auftaucht und es war auch die Stadt Venedig, in der der „Gründer“ der Jesuiten Ignatio von Loyola zum Priester geweiht wurde und in der auch der Misraim-Memphis-Ritus offiziell gegründet wurde. Venedig scheint also immers wichtig zu sein, wenn man den Spuren der „ägyptischen Sonnenriten“, dem Phallus-Kult, die wohl hier den Einzug nach Europa fanden, folgen möchte.
Während des 16. und 17. Jahrhunderts waren die Jesuiten in Parma, am Hof der Farneses, allmächtig, genauso in Neapel. Doch in Venedig, wo sie stets mit Wohlwollen überschüttet wurden, wurden sie am 14. März des Jahres 1606 „als getreueste Schildknappen und Wortführer des Papstes “ ausgewiesen. Nichtsdestotrotz wurde ihnen im Jahre 1656 wieder erlaubt, zurückzukehren, doch sollte ihr Einfluss auf die Republik von nun an nur noch ein Schatten dessen sein, den sie in der Vergangenheit hatten.
1606 war Leonardo Donà der 90. Doge von Venedig. Er regierte von 1606 bis 1612. Der Streit mit dem Kirchenstaat, der sich unter seinem Vorgänger Marino Grimani entzündet hatte, spitzte sich unter seiner Regierungszeit zu und konnte in der Folge erst unter Mitwirkung verschiedener europäischer Mächte beigelegt werden. Im Alter von 70 Jahren wurde er in das Dogenamt gewählt. Die Wahl des sittenstrengen und asketischen Donà stieß bei den Venezianern auf wenig Begeisterung.
Er setzte die Politik seines Vorgängers fort, und die Spannungen mit dem Vatikan nahmen zu. Er hielt an den Gesetzen, die den Einfluss der Kurie in Venedig beschnitten, fest. Als Berater in Fragen des kanonischen Rechts stellte der Rat der Zehn den in Venedig geborenen Paolo Sarpi ein, ein Mönch des Servitenordens. Am 14. Mai 1607 erließ der Papst ein Interdikt gegen Venedig. Sarpi, den Rom der Häresie verdächtigte, wurde exkommuniziert. Daraufhin verwies man die Jesuiten aus der Stadt, Kapuziner und Theatiner folgten freiwillig. Den Nobili wurde es verboten, ihre Kinder auf Schulen der Jesuiten zu schicken. Donà starb am 16. Juli 1612. Sein überraschender Tod wurde vom abergläubischen Volk als Strafe Gottes gedeutet.
Jahre später, im Jahre 1656 wurde Francesco Cornaro, auch genannt Francesco Corner der 101. Doge von Venedig. Corner wurde nach 26 Wahlgängen im Alter von 81 Jahren gewählt. Seine Regierungszeit vom 17. Mai bis zum 5. Juni 1656 war die kürzeste eines venezianischen Dogen.
Sein Nachfolger Bertuccio Valier war der 102. Doge von Venedig. Bertuccio war der erste Doge der Valier, die sich für eine der ältesten Familien Venedigs hielten und ihre Ursprünge bis auf die Römer zurückführten. Vor seiner Wahl war er Podestà verschiedener Städte auf der Terraferma und Botschafter am Vatikan unter Alexander VII. gewesen.
Wie bei seinem Vorgänger und seinem Nachfolger stand seine Regierung im Zeichen der Bedrohung durch das Osmanische Reich. Zunächst war es der venezianischen Flotte gelungen die türkische Flotte ins Schwarze Meer zurückzudrängen und gegen die türkischen Truppen in Kreta eine Blockade aufzubauen. Bei einem Gegenangriff der Türken wurde der venezianische Befehlshaber Lorenzo Marcello tödlich verwundet, wie wenige Monate später der Generalkapitän Lazzaro Mocenigo bei der Schlacht um die Dardanellen. Die venezianische Flotte war jetzt führerlos. Bertuccio Valier vertrat im Rat der Zehn die Partei, die in der Kretafrage dafür plädierte, ein Friedensangebot des türkischen Großwesirs Mohammed Köprülü anzunehmen. Er war wie viele Patrizier der Meinung, dass Kreta aufgegeben werden sollte. Er hielt den Kampf gegen die Türken für aussichtslos, konnte sich aber gegen die Kriegspartei, zu der auch sein Nachfolger Giovanni Pesaro gehörte, nicht durchsetzen. Obwohl er mit seiner Meinung unterlegen war, subventionierte er die venezianische Kriegskasse mit 100 000 Dukaten aus seinem privaten Vermögen. Dieser Zuschuss und die Sonderzahlungen verschiedener Patrizier reichten aber nicht aus, um die Flotte zu finanzieren. Venedig musste gezwungenermaßen die vom Vatikan angebotene finanzielle Hilfe mit der Wiederzulassung der Jesuiten in der Republik erkaufen.
Venedigs Handelsprivileg
Der bereits in Teil 3 erwähnte „Heilige Berg Athos“, der zentrale Ausgangspunkt des Mystizismus in Europa, ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität in Griechenland. Seit 885 n. Chr. ist sie dank Genehmigung des Kaisers von Byzanz Basileios l. in ausschließlichem Besitz der Mönche.
Basileios I. Kirchenpolitik ist durch gute Beziehungen zu Rom gekennzeichnet. Nun kam es zu einer Wiederannäherung an beide Kaiserreiche. 992 erhielt Venedig ein erstes Handelsprivileg des byzantinischen Kaisers Basileios I., der römisch-deutsche Herrscher Otto III. übernahm 996 die Patenschaft über den Sohn des Dogen.
Seine Flotte setzte die politische Vorherrschaft Venedigs bis Ragusa durch. Venedig war unter dem 26. Dogen Pietro II. Orseolo 991 zur Großmacht geworden, doch die dynastische Politik seiner Nachfolger brachte sie in den 1020er Jahren in Konflikt mit beiden Kaiserreichen. Zwischen 1132 und 1148 wurde der Dominanz des Dogen ein Ratsgremium gegenübergestellt, aus dem sich der Große Rat entwickelte.
Hierin hatten Vertreter der adligen Familien Sitz und Stimme.
1297 kam es zur Schließung des Großen Rates, der so genannten serrata. Hiermit wurde der Zugang zum Großen Rat mit dem Recht aktiver und passiver Wahl des Dogen auf eine feste Anzahl von Familien beschränkt. Diese wurden mit ihren männlichen Nachkommen in das Goldene Buch eingetragen. Die Mitglieder des Großen Rates, des maggior consiglio, gehörtem diesem auf Lebenszeit an. Der Große Rat war keine eigentliche Legislative, musste jedoch zu allen Gesetzesvorlagen gehört werden.
Der Consiglio dei dieci (Der Rat der Zehn), eine Staatsschutz- und Polizeibehörde, wurde aus Anlass der Verschwörung des Baiamonte Tiepolo von 1310 und für die folgenden Gerichtsverfahren gegen die Verschwörer eingerichtet. Wie andere venezianische Räte sollte das Gremium nur eine zeitlich befristete Einrichtung sein, wurde dann mehrmals verlängert, allerdings mit wechselnden Kompetenzen und Aufgaben. 1335 wurde er nach Bestätigung durch den Großen Rat zu einer ständigen Einrichtung.
Seine Aufgaben waren nicht genau festgelegt. Folglich gab es während seines gesamten Bestehens immer die Tendenz, Rechte auszudehnen, während von anderen Gremien Kompetenzen beschnitten, entzogen oder verlagert wurden, d. h. die Geschichte des Rates ist gekennzeichnet durch beständige Kämpfe um die Abgrenzung und Zuteilung von Kompetenzen der einzelnen Räte. Die ordentlichen Mitglieder des Rates wurden vom Großen Rat gewählt. Eine Militäreskorte garantierte den Schutz der Mitglieder. Wegen seiner geringen Mitgliederzahl und der Fülle seiner Kompetenzen wurde der Rat die mächtigste Institution Venedigs, regierte in der Praxis die Republik, trat also in Konkurrenz zum Großen Rat und zum Senat, die sich in ihren Rechten bedroht fühlten.
Mit verdeckten Ermittlungen, Bespitzelungen und einem noch heute in Venedig sichtbaren „Denunziantenbriefkasten“ am Dogenpalast sorgte der Rat der Zehn für ein strenges innerstaatliches Regime. Besonders die Einmischung in das private Leben aller Gesellschaftsschichten, strenge Verbote und die Verhängung drakonischer Strafen, lassen kein gutes Licht auf diese Behörde fallen. Der Rat der Zehn wurde zum Inbegriff staatlicher Kontrolle, was ein venezianisches Sprichwort deutlich zum Ausdruck bringt: „Was drei Venezianer wissen, weiß der Rat der Zehn!“.
Im 13. Jahrhundert verschärfte sich die Konkurrenz zwischen Genua und Venedig über die Kontrolle des Seehandels im östlichen Mittelmeerraum. Beide Republiken sowie Pisa waren in den Seehäfen der Levante mit eigenen Niederlassungen vertreten, wo sie gegeneinander um Handelsprivilegien stritten, was nicht selten gewaltsam ausgetragen wurde. Besonders groß war die Konkurrenz in Akkon, dessen Hafen der wichtigste Handelsumschlagplatz für Wahren aus dem Orient war.
Der Herr von Akkon war formell Konradin von Hohenstaufen als „König von Jerusalem“. Das Königreich Jerusalem war einer von vier Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land. Das Königreich Jerusalem entstand nach der Eroberung Jerusalems durch das Heer des ersten Kreuzzugs am 15. Juli 1099. Als Herr über den neuerrichteten Kreuzfahrerstaat wurde Gottfried von Bouillon (Der Gründer der Ritter zum heiligen Grabe von Jerusalem) meist princeps („Fürst“), selten jedoch auch advocatus sancti sepulchri („Beschützer“ bzw. „Vogt des Heiligen Grabes“) genannt.
Der erste Kreuzzug führte zur Errichtung mehrerer Kreuzfahrerstaaten, die sich gegenseitig durch Streitigkeiten schwächten, während sich die zuvor uneinigen Muslime zusammenschlossen. Da die Kreuzfahrer mehrere Küstenstädte des östlichen Mittelmeeres eroberten, erlebte der Orienthandel einen gewaltigen Aufschwung, von dem vor allem italienische Hafenstädte wie Genua und Venedig profitierten. Weiterhin standen sich bei den Ritterorden die beiden größten, die Templer und die Hospitaliter um politischen und wirtschaftlichen Einfluss gegenüber.
Die Templer und mit ihnen die Deutschritter entschieden sich im Krieg von Saint-Sabas für Venedig (!), die Hospitaliter für Genua.
Das finanzielle Seereich der Venezianer spekulierte in einer Größenordnung, welche die gesamte eurasische Landmasse einschloss und dies ist ausreichender Beweis, dass es die Händler von Venedig waren, welche im vierzehnten Jahrhundert die Zerstörung und Entvölkerung eines beachtlichen Teiles der Welt verursachten.
Seit den 1320ern gab es einen massiven Fluß von Silber zum venezianischen Reich und von dort weiter in den mittleren Osten und nach Byzanz, wodurch in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts das Gleichgewicht in Europa gestört wurde.
Die venezianischen Silberexporte aus Europa zwischen 1325 und 1350 entsprachen etwa 25% des damals in Europa abgebauten Silbers. Seit der Zeit von Karl dem Großen waren standardisierte Silbermünzen die stabile Währung des Heiligen Römischen Reiches gewesen. Der massive Export über Venedig in den Osten schuf permanente Zahlungsbilanzprobleme, selbst in entfernten Plätzen wie England und Flandern.
Der Geschichtsforscher Fernand Braudel zeigte im Jahre 1950, daß die italienischen Bankiers von Florenz, Genua, Siena, usw. unter der Führung Venedigs seit dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts versuchten, die mögliche Entwicklung von nationalen Regierungen zu sabotieren. Diese Entwicklung war von Friedrich II von Hohenstaufen, dem Heiligen Römischen Kaiser, der auf den Leistungen von Karl dem Großen aufbaute, durch erfolgreiche Verbreitung der Bildung, Fortschritte in der Landwirtschaft, Bevölkerungswachstum und dem Aufbau einer starken Regierung vorgezeichnet worden. Dante Aligheri schrieb sein Werk “Über die Monarchie”, in dem er die Idee einer kaiserlichen Regierung auf Basis von göttlichem und natürlichem Gesetz wiederbeleben wollte, vergeblich.
Venedig hatte die Wirtschaften aller umgebenden Länder für seinen eigenen Profit umgarnt, auch die Wirtschaft von Deutschland. Das vierzehnte Jahrhundert sah den Aufbau eines so mächtigen Monopols für den alleinigen Vorteil der italienischen Stadtstaaten, dass die im Aufbau befindlichen, territorialen Staaten wie England, Frankreich und Spanien notwendigerweise unter den Konsequenzen leiden mussten.
Braudel zeigt des weiteren, dass Venedig eingriff um zu vermeiden, daß Alfonso der Weise von Spanien Kaiser Friedrich II auf den Kaiserthron folgte. Dieser Triumph des “freien Handels” über die Macht der nationalen Regierungen bahnte den Weg für die Katastrophe des vierzehnten Jahrhunderts, der größten Welle von Tod und Entvölkerung in der Geschichte der Menschheit.
Venedig manipulierte die florentinischen Bankiers, Könige und Kaiser mit einer gut geplanten, finanziellen Verschwörung und völliger Kontrolle aller Märkte, in denen Geld gemünzt und geschaffen wurde. In dem Jahrhundert zwischen dem Frieden von Konstanz in Jahre 1193 bis zu den 1290ern etablierte Venedig eine außergewöhnliche, nahezu totale Kontrolle des Handels in Gold- und Silbermünzen in Europa und Asien. Venedig unterminierte und ersetzte die europäische Silberwährung des deutschen Kaisers, was direkt zur finanziellen Katastrophe von 1340 führte, welche alle Finanziers außer den Venezianern ruinierte.
Die Gewinne aus diesem Handel stellten selbst den Wucher in den Schatten, den die Händler von Venedig zusätzlich ohne jede Hemmung betrieben.
In einer erstaunlichen Rede vor dem Rat der Zehn sagte der Doge Thomasso Mocenigo:
“In Friedenszeiten investiert diese Stadt zehn Millionen Dukaten in den Handel mit Schiffen und Galeeren in der ganzen Welt, wobei die Profite aus Exporten zwei Millionen, die Profite aus Importen zwei Millionen und die Profite aus Exporten und Importen zusammen vier Millionen betragen.”
Wie war das möglich?
Nicht durch privates Unternehmertum sondern durch die Wucherpolitik des venezianischen Staates.
Die sogenannten “christlichen” Kreuzzüge, der erste im Jahr 1099 und der siebente und letzte große, im Jahr 1291, hatte einen strategischen Effekt – die Ausweitung und Stärkung des wirtschaftlichen Seereiches von Venedig in den Osten.
Venedig lieferte die Schiffe, um die Kreuzfahrer in den Mittleren Osten zu bringen. Venedig lieh ihnen Geld und die venezianischen Dogen sagten ihnen sogar, welche Städte sie erobern oder plündern sollten. Durch die Kreuzfahrer erhielt Venedig effektive Kontrolle über die Städte Tyros, Sidon und Akkon im Libanon und Lajazzo in der Türkei. Auch die venezianische Kontrolle des Handels über Konstantinopel wurde gestärkt. Dies waren die Küstenverbindungen zur Seidenstraße, zum Schwarzen Meer, zum Kaspischen Meer und nach Indien und China.

Papst Johannes XXII. gewährte im Jahr 1330 Venedig die alleinige Lizenz (!), mit den ungläubigen Mamelukensultanten von Ägypten zu handeln.
Im späten dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert stellte Venedig alle Münzen und Geldwechseldienste für das Mongolenreich bereit, für das größte Reich der Geschichte, das die Völker unter seiner Herrschaft ausplünderte und zerstörte.
Im Mittelalter scheitern die Versuche deutscher Kaiser, in Römerzügen die kaiserliche Gewalt wiederherzustellen. So bildete sich das italienische Staatensystem des 14./15. Jahrhunderts: die Republiken Venedig und Genua, zunächst auch noch Florenz, die Fürstentümer der Visconti und Sforza (Mailand), der Este (Modena), Scaliger (Verona) u. a. Mit Beendigung des Schismas (1415) festigte sich auch der Kirchenstaat wieder. 1442 gewannen die sizilianischen Aragonesen Neapel zurück; in Florenz setzten sich die Medici durch.
Nach dem Frieden von Lodi (1454) herrschte ein Gleichgewicht von 5 Mittelstaaten (Neapel-Sizilien, Florenz, Kirchenstaat, Mailand, Venedig).
Im 13. und 14. Jahrhundert war Italien das wirtschaftlich führende Land Europas. Mit Humanismus und Renaissance war Italien im 15. Jahrhundert führend in Kunst und Wissenschaft in Europa.
Die Borgias (Borja)
Mitte des 15. Jahrhunderts taucht eine Familie auf der Bildfläche „der römischen Macht“ auf – die Borgia (auch Boja). Die Machtausübung und die Vetternwirtschaft unterschied sich kaum von weltlichen Herrschern seiner Zeit.
“Der Herr will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebt und zahlt”, – soll Papst Alexander VI. Alias Rodrigo Borgia gesagt haben. Wie die meisten anderen Renaissance-Fürsten begnadigte er Verbrecher gegen Geldzahlungen und verschacherte Ämter an Meistbietende.
Während Karl VIII. Neapel unterwarf, verbündete sich Papst Alexander VI. am 31. März 1495 in Venedig mit dem Dogen von Venedig, der Republik Mailand, dem spanischen König Ferdinand II. und dem deutschen König Maximilian I. – „offiziell“ gegen die Türken.
Die Borgia (italienisch) oder Borja (spanisch und katalanisch) waren eine aus Spanien, genauer der heutigen autonomen Region Valencia, stammende Adelsfamilie.
Die Familie kam bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Italien zu Macht und Reichtum, vor allem durch die beiden Päpste aus der Familie, Kalixt III. (1455–1458) und schließlich Alexander VI. (1492–1503), die zum Inbegriff des Nepotismus (Vetternwirtschaft) geworden sind.
Der von Machiavelli in seinem Werk „Il principe“ (der Fürst) „gefeierte“ Cesare Borgia und die lange Zeit verleumdete Lucrezia Borgia, außereheliche Kinder des letzteren Papstes, sind zwei der bekanntesten Personen der Renaissance. Giambattista Pamfili, ein Nachkomme von Alexanders Tochter Isabella, wurde 1644 als Innozenz X. Papst. Die Fürsten von Squillace sind ebenfalls Nachfahren der Borgia. Eine Reihe von Familien, die heute diesen Namen trägt, wie Borgia de Milà und Borgia-Lançol, stammt von Töchtern der Familie ab.
Der heilige Francisco de Borja war zudem der dritte General der Jesuiten (!).

Er war der Sohn von Juan de Borja, III. Herzog von Gandía, Sohn von Juan Borgia und Maria Enríquez i de Luna, und seiner ersten Frau Juana de Aragón y Gurrea (1492 – 1520), Tochter von Alonso de Aragón, Erzbischof von Zaragoza y Valencia, und Ana de Gurrea, señora de Argabieso. Er war somit ein Urenkel des Papstes Alexander VI. (väterlicherseits) und des Königs Ferdinand II. von Aragón (mütterlicherseits).
1551 empfing er die Priesterweihe. Sein Beispiel machte Schule und in der Folge traten viele junge reiche Adelige in den Jesuitenorden ein.
In den Jahren 1554 bis 1561 wirkte de Borja als Provinzial für Spanien. Als am 19. Januar 1565 der zweite General des Ordens, Diego Laínez starb, berief die Generalkongregation Francisco de Borja am 2. Juli 1565 zum dritten General des Ordens.
De Borja sah seine Aufgabe vor allem in der Förderung des Ordens in Mittel- und Südamerika. 1624 wurde Francisco de Borja durch Papst Gregor XV. selig und im Jahre 1671 durch Papst Klemens X. heilig gesprochen.

Was auffallen sollte ist die Verwendung der Totenkopf-Symbolik.
Die Geschichte der Borgias wurde 1980 von der BBC als 10teilige Fernsehserie mit Adolfo Celi in der Hauptrolle verfilmt. Im Jahre 2010 entstand eine weitere Verfilmung als US-amerikanischen Fernsehserie Die Borgias (The Borgias) mit Jeremy Irons in der Hauptrolle. 2011 wurde die zwölfteilige deutsch-französisch-österreichische Serie Borgia produziert und ausgestrahlt.
Sie können davon ausgehen, dass jene Verfilmungen nicht mal annähernd an das herankommen, was die Borgias wirklich repräsentierten.
Martin Luther klagte nach seiner Romreise über die römische Kirche als Hure Babylons und über die heilige Stadt als Sündenpfuhl. Mitverantwortlich für diese Sicht der Dinge war wohl auch Papst Sixtus IV., der mit den Einnahmen aus der Prostituiertensteuer eine nach ihm benannte Brücke über den Tiber baute und ebenso auch Papst Alexander VI. und sein Hang zu seinen vielen Kurtisanen.
Ein paar Jahre vor Luthers Kommen schmückte sich die Lieblingskurtisane des Papstes, die eine Herberge für Pilger führte, mit einer Inschrift:
“Kommt zu mir, ich bin die Lieblingshure des Papstes.”
Es war die Mutter der drei anerkannten Kinder des Alexander VI. Borgia.
Für Luther war Rom der Inbegriff der Verderbtheit und die Hure Babylon.
Wir erinnern uns zurück an Ignatius von Loyola:
Auch jener wird oft mit Totenschädel repräsentiert.
Gehen Sie doch bitte einfach einmal in Ihre Kirche, egal ob katholisch oder evangelisch etc.. Es ist durchaus möglich, auch dort Totenkopf-Symbolik vorzufinden. Und dies natürlich nicht ohne Grund. Was uns als „Vanitas“Symbol verkauft wird, hat wesentlich tiefgehendere Ursprünge.

Auch die Templer verehrten die Totenschädel!
Quellen:
Die Quellenangaben finden Sie alle zur besseren Übersicht strukturiert und gesammelt im letzten Teil der Serie.
Ende Teil IV Fortsetzung folgt
http://www.die-friedenskrieger.de/main/?q=node/304
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Gruß an die Templer
Der Honigmann
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mehr das Land der Freien. Jetzt zeigen die










