Kaiser Wilhelm II. und sein Cousin russischer Zar Nikolaus II. wollten den Krieg nicht. Wer das wollte, erzählte uns Binjamin Freedman. Unsere Hofhistoriker erzählen uns Märchen über „Revolution“ der Bolschewiki. Zwei Gauner Israel Helphand (Parvus) und Wowa Uljanoff (Lenin) führten die Menschheit zu große Katastrophe 1914-1918 bei der zwei große Mächte in Europa zerschlagen wurden. An die Geschichte mit dem „plombierten Wagen“ wird nicht gern erinnert…
„Die Frage ist: was ist in der Politik besser: Ein Pragmatismus mit harten moralischen Prinzipen oder Romantik mit schönen Träumen? – Alexander. Solschenizyn. “Lenin in Zürich“
LENIN UND WILLHELM II.
Es ist kein Geheimnis für Historiker: Ohne Hilfe Wilhelms II. für Lenin hätte es die bolschewistische Revolution vor nunmehr 90 Jahren nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki nicht einmal ein Jahr an der Macht bleiben können. Es ist logisch, dass es den Aufstieg des Totalitarismus nicht gegeben hätte, auch die 70 Millionen Toten des Gulags wären nicht zu beklagen gewesen. Die unheilige deutsch-russische Allianz von gemeinsamen Gegnern ist nach der uralten griechisch-römischen Realpolitikprinzip entstanden: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Aber das Prinzip ist immer faul, was letztendlich zum Verhängnis für die beiden Mächte wurde. Wohlgemerkt, mit Hilfe der anderen Mächtigen der Welt, Franzosen [1918] und USA [1945].
1914 war für Deutschland Anfang des Endes der Monarchie und der folgenden Katastrophen mit der Revolution, der Weimarer Republik, der Annexion von Ostdeutschland, der Vertreibung der Deutschen und dem seltsamen Status eines immer noch nicht souveränen Staates mit einer provisorischen Verfassung. Man kann über die wahren Gründen des I. Weltkrieges spekulieren: „jüdische Verschwörung“, Kampf um Hegemonie in Europa oder totale Verblendung der Europäer bzw. auch Versuch Frankreichs, die erste Geige in Europa zu spielen. Alles mag genauso blöd, wie ernsthaft sein. Aber eines ist klar: alles zusammen hat dazu beigetragen – die Traditionen, Familienwerte und die Souveränität und vor allem das Christentum in Europa abzuschaffen.
Es erscheint seltsam, dass ausgerechnet der letzte Kaiser, Wilhelm II ausgesucht wurde, um das zu verwirklichen. Ohne den Streit um die Macht zwischen den Cousins Wilhelm II und Nikolaus II wäre vielleicht der Verlauf der europäischen Geschichte nicht so tragisch für ihrer Völkern geendet. Ohne die schicksalhaften Fehler, über welche hier ich nun berichten will, wären beide Weltkriege gar nicht zustande gekommen.
Ganz kurz gefasst geht es um eine Prinziplosigkeit von beiden Akteuren der Geschichte, die scheinbar nichts Gemeinsames hatten. Der erster: Der deutsche Kaiser in Berlin, der sich im Krieg zwischen Borke und Baum fühlte durch den Verrat seines Cousin Nikolaus und der zweiter Hilfskraft bei einem Anwaltsbüro in kleinem Stadt Simbirsk an der Wolga in Russland, die sich „Lenin“ nannte.
Wladimir Uljanow, der in seiner Heimat nicht erwünscht war, sollte im Schweizer Exil eine Weltrevolution nach Rezept von Karl Marx vorbereitet zu haben.
Der Kaiser wollte seinen Cousin Nikolaus zwingen, den Krieg zu beenden, Lenin wollte die Macht, um beide Vettern aus dem Weg zu räumen.
Ob der Kaiser nun schlecht beraten wurde und seinem Geheimdienst blind vertraute, spielt letztendlich keine Rolle. Der Kaiser hat Lenin und Bolschewiki mit viel Geld geholfen, Nikolaus II samt der ganzen Familie zu töten und damit an die Macht zu kommen. Als Dank von seinem „Verbündeten“ musste der Kaiser ins Exil gehen. Und Lenin selbst konnte nur 5 Jahre seinen Sieg genießen und starb nach dem er 2 Jahre lang im Koma lag.
Die beiden Kaiserreiche wurden endgültig zerstört und dabei wurden unglaubliche Mengen der Untertanen ins Jenseits befördert.
WILHELM II. UND SEIN MISSKALKÜL
Was ist eigentlich passiert? Wie konnte ein Monarch so blind und so prinzipienlos sein, dass er sich mit den Bolschewiki eingelassen hat? Alles begann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914. Obwohl Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolai II. Vettern waren, gehörten ihre Reiche unterschiedlichen Blöcken an – auf einer Seite die Donaumonarchie und das Deutsche Reich, auf der anderen die Entente: französische Republik, britischer Monarchie und Zarentum Russlands – ein seltsames Bündnis, das aus Angst vor einer „deutschen Hegemonie“, die von jüdischen Zionisten in Europa geschürt war.
Ein seltsamer Komplott zwischen einer 300-köpfiger Gruppe der bolschewistischen Juden in der Schweiz und dem Kaiser gegen Zar Nikolaus II, der zum Leidwesen der Zarin Alexandra [Alix von Hessen-Darmstadt] mit Frankreich und Großbritannien verbündet war. Vier Jahre lang unterstützte Berlin die Bolschewiki und andere Revolutionäre in Russland mit Mark, Munition und Waffen und trug damit zum Ende der Romanows aus Coburg-Gotha bei. 26 Mio. Reichsmark, [heutiger Wert ca. 85 Mio. Euro]hat allein das Auswärtige Amt bis Ende 1917 dafür ausgegeben.
Wilhelm träumte sogar von einer “Art Bündnis- oder Freundschaftsverhältnis” – gemeinsam gegen den Westen, wie auch zwei Jahrzehnte später Adolf Hitler und Josef Stalin. Dass sie einander eigentlich an den Galgen wünschten, vergaßen die beiden Verbündeten trotz aller Absprachen nie. Die scheinbar paradoxe Folge: Der vom Kaiser angestiftete Lenin half deutschen Genossen bei der Vorbereitung einer eigenen Revolution gegen die Monarchie. Und Wilhelm II. wiederum unterstützte beim Roten Terror die jüdischen Bolschewiki, die Feinde der Monarchie.
Heute ist das 1. Bündnis zwischen Sichel-Hammer und Krone fast vollständig vergessen, man spricht ab und zu vom 2. Bündnis zwischen Sichel-Hammer und Hackenkreuz. Allerdings gibt es noch immer offene Fragen, insbesondere zum Ausmaß der deutschen Unterstützung für die Bolschewiki. Im Auswärtigen Amt wurden Quittungen für erfolgte Auszahlungen nach der Rechnungsprüfung vernichtet. Vieles lässt sich nur auf dem Indizienwege belegen, und dafür muss an ungewöhnlichen Orten gesucht werden.
Schon bald wurde deutlich, dass der Waffengang sich von allen bisherigen unterscheiden würde. Millionenheere prallten aufeinander, erstmals setzten die Generäle die ganze Wucht der industriellen Dynamik zum Töten von Menschen ein – und damit fiel die klassische Trennung zwischen Front und Heimat. Die Anweisung “jedes Mittels, das geeignet ist, den Feind zu schädigen” sei Pflicht, notierte 1917 der Chef des deutschen Generalstabs Helmuth von Moltke.
Das Reichsschatzamt [so hieß damals das Finanzministerium], stellte daher Hunderte Millionen Mark zur Verfügung, um Marokkaner, Inder und andere Völker der Kolonialreiche gegen Paris und London aufzuwiegeln, die ihrerseits im Habsburger und im Osmanischen Reich Unruhe stifteten. Auch das rückständige Zarenreich bot Ansatzpunkte für eine “Zersetzung des Feindlandes von innen” [Reichskanzler Theobald v. Bethmann Hollweg]. Immer wieder hatten vor dem Krieg Hungersnöte die Bauern zu Revolten getrieben. In den russischen Städten lebten die Menschen unter erbärmlichen Bedingungen; die Einführung der 79-Stunden-Woche galt damals als „Fortschritt“.
Es gärt unter den über hundert Nationalitäten und ethnischen Gruppen des zaristischen Vielvölkerreichs: Polen, Ukrainer, Esten, Finnen und anderen Minderheiten träumten von eigenen Staaten, was den Deutschen nur recht war. Wilhelm II. verfolgte die sog. Orangenschalen-Strategie: Wie die Schale der Südfrucht vom Fruchtfleisch sollten die nichtrussischen Randgebiete von Kernrußland getrennt werden. So ging ein Geldsegen auf die zahlreichen Abenteurer nieder, die sich nach Kriegsausbruch bei deutschen Stellen meldeten. Vermeintliche und tatsächliche Zarengegner prahlten damit, sie könnten Meutereien in der russischen Schwarzmeerflotte anstiften, Aufstände und jüdischen Pogrome in der Ukraine lostreten oder soziale Unruhen schüren.
KESKÜLA – DIE ERSTE VERFÜHRUNG NICHT GEKLAPPT
Der Hinweis auf Lenin kam von Alex Kesküla, einem ehemaligen Bolschewik aus Estland und einer der vielen Gestalten in der Grauzone zwischen revolutionären Russen und den Deutschen. Kesküla bot sich der deutschen Gesandtschaft in Bern als Propagandist für die Sache des Kaisers an. Er hoffte, die Deutschen würden sich für einen Anschluss des russisch beherrschten Estlands an Schweden einsetzen. Kesküla zuerst zweifelte, dass „Lenin“ mit seinen Juden hat zu wenig getan für die Revolution im Zarenreich.
Dann wieder trommelte er dafür, “der Leninsche Richtung in Russland unverzüglich beizuspringen”, und schwärmte den deutschen Diplomaten vor, jedoch hielt nicht viel von Lenin: Er sei “gewissenlos” und verfüge über “brutalste, rücksichtsloseste Energie” und sein Vokabular sei obszön, primitiv und widerlich wegen der politischen Schimpferei“.
Später, als Kesküla begriffen hatte, dass die Deutschen eigene Interessen im Baltikum verfolgten, wechselte er auf die Seite der Entente und warnte diese vor „Lenins Juden“. Für seine Dienste erhielt Kesküla insgesamt 250.000 Mark, nur ein kleiner Teil davon landete nachweislich bei den Bolschewiki.
Dass Berlin Kesküla nicht in großem Stile einsetzte, um Lenin zu unterstützen, hatte einen einfachen Grund, wie deutsche Dokumente zeigen. Kesküla war trotz seiner bolschewistischen Vergangenheit ein theoretischer Kopf. Für die Logistik der Revolution brauchten die Deutschen hingegen Experten anderen Kalibers.
PARVUS – DIE ZWEITE VERFÜHRUNG WAR VIEL TEURER
Im Januar 1915 stellte sich ihnen ein solcher zur Verfügung: ALEXANDER PARVUS [eigentlich: Israil Lazarewitsch Helphand], einer der bedeutendsten politischen Abenteurer des 20. Jahrhunderts. Der Mann mit dem mächtigen Kopf und der “Statur eines Michelangelo-Sklaven mit etwas zu kurzen Beinen” [so Winfried Scharlau „Die gekaufte Revolution“] lebte bei Kriegsbeginn als wohlhabender Geschäftsmann in Konstantinopel, offenbar reich geworden durch die Hilfe, die er dem maroden Osmanischen Reich bei der Kriegsvorbereitung geleistet hatte.
Die Vergangenheit von Helphand-Parvus sprach für die revolutionären Qualitäten des Salonsozialisten. Schon als Jugendlicher hatte sich der 1867 bei Minsk geborene Jude dem Sturz des damaligen Zaren verschrieben, weil dessen Regime Menschen mosaischen Glaubens unterdrückte. Zum Marxismus fand er in der Schweiz. 1891 siedelte er nach Deutschland über und schloss sich der SPD an. Schnell erregte Parvus Aufmerksamkeit mit radikalen Artikeln, die ihm den Ruf einbrachten, er könne ein zweiter Karl Marx werden.
Die politisch motivierten Nachstellungen der deutschen Polizei zwangen Parvus bald zu einem Vagabundenleben; aus mehreren Reichsstaaten wurde er ausgewiesen, wie auch bislang unbekannte Unterlagen der preußischen Polizei im Berliner Landesarchiv belegen. In München traf er 1903 das erste Mal Lenin, der Rosa Luxemburg lernte in Helphand Wohnung kennen. In der Wohnung stand auch die Druckerpresse für die Parteizeitung ISKRA [Funke], die Lenin herausgab.
Im Februar 1917 musste der Zar abdanken und die kaiserlichen Behörden ermöglichten [während des Krieges!] Lenins Bolschewiki, die in der Schweiz im Exil festsaßen, zusammen mit aus Deutschland vertriebenen jüdischen Kommunisten die Einreise nach Petrograd. Der Leiter des deutschen Nachrichtendienstes in Stockholm berichtete am 17. April 1917 an den Generalstab in Berlin: “Lenins Eintritt in Russland geglückt. Er arbeitet völlig nach Wunsch”. Das heißt, dass es nun gegen die inzwischen amtierende Provisorische Regierung in Petrograd ging.
FINANZSPRITZE AUS BERLIN
Für eine “allgemeine Revolution gegen Russland” zahlte das Auswärtige Amt im September 1914 an zwei Männer von angeblich “großem Einfluss” 50.000 Mark in Gold. Weitere 2 Millionen in bar sollten bei Eintreten des Aufstands folgen – bis heute weiß niemand, wer die Gelder empfing. Später stiegen die Prämien sogar noch; da boten deutsche Diplomaten und Geheimdienstler Millionen für eine Rebellion allein in einem einzigen Gouvernement des Zarenreichs.
Es war eng geworden für Wilhelm II: die Generäle Seiner Majestät waren von einem Blitzsieg im Westen ausgegangen, der ihnen den Zweifrontenkrieg ersparen sollte. Als der Triumph gegen Frankreich ausblieb, versuchten der Kaiser und seine Minister den Zaren mit Unruhen gefügig zu machen; ein Sturz der Monarchie stand zunächst allerdings nicht auf dem Programm.
Es war ein Zufall, dass die deutschen Revolutionsstrategen im Herbst 1914 den Berufsrevolutionär Lenin entdeckten. Der kleingewachsene Mann mit dem rötlichen Haarkranz und seiner „schnarrenden und hysterischen Aussprache“ [Solschenizyn im „Roten Rad“] hatte seit 1900 überwiegend im europäischen Exil gelebt – aus London, Wien und Warschau ausgewiesen, bei Kriegsbeginn in die neutrale Schweiz nach Bern übersiedelte und bis Ausreise nach St. Petersburg in Zürich lebte.
Lenin, ein cholerischer und scharfzüngiger Marxist, stand damals an der Spitze einer linksradikalen Splittergruppe, die sich – ihrer tatsächlichen Größe zum Trotz – Bolschewiki [Mehrheitler] nannte. In der russischen Duma [Parlament] verfügten diese über gerade einmal eine Handvoll Abgeordneten, was Lenin nicht störte. Er wollte nicht durch Wahlen, sondern durch einen Putsch an die Macht gelangen.
Dass er diesem Ziel alles unterordnete, machte ihn für die Deutschen attraktiv. Vor allem aber hatte sich Lenin im Gegensatz zu vielen anderen Sozialisten nicht vom nationalen Taumel anstecken lassen, der im Sommer 1914 überall die Menschen erfasste. Er trommelte für die Niederlage Russland uns Liquidierung der Romanow-Dynastie.
Er hat ein privates Motiv: die Rache für die Hinrichtung seines Bruders Alexander in Schlüsselburg wegen des Attentats auf den Zaren [1888].
“DIE INTERESSEN SIND IDENTISCH“
Parvus Hass auf das Zarenreich muss während der Jahre am Bosporus übermächtig geworden sein, aber nicht in Deutschland wo er Persona non grata galt, weil er bei Kriegsbeginn 1914 auf Seite der Mittelmächte stand. Dem deutschen Botschafter in Konstantinopel schlug Parvus ein Zweckbündnis vor: “Die Interessen der deutschen Regierung sind mit denen der russischen Revolutionäre identisch.” Damit verschaffte der deutsche Diplomat den Helphand ein Entree beim Auswärtigen Amt in Berlin.
Über den Ablauf der Gespräche dort Ende Februar 1915 ist nichts bekannt, wohl aber liegt der 23-seitige Plan zum Sturz des Zaren durch Massenstreiks vor, den die Reichsexperte in der Wilhelmstraße präsentierten. Er hatte fast an alles gedacht: die Agitation unter den Arbeitern in den Industrieregionen, die Verbindungen zu Streikkomitees, das Aufwiegeln nationaler Minderheiten. Er wollte wichtige Brücken sprengen und die Ölquellen bei Baku in Brand setzen, Flugblätter und Broschüren im Ausland drucken lassen und deren Transport nach Russland organisieren.
Parvus verlangte sogar “verständliche Anweisungen über die Handhabung” von Sprengstoff. Das Papier endete mit einer Liste der wichtigsten Aufgaben; an erster Stelle stand: “Finanzielle Unterstützung der „sozialdemokratischen russischen Majoritätsfraktion“. Die Führer sind in der Schweiz aufzusuchen.”
Den eher vorsichtigen Außenstaatssekretär Gottlieb von Jagow und seine Experten muss der Plan sofort überzeugt haben, denn nur wenige Wochen später erhielt Parvus den von ihm verlangten Sprengstoff, einen deutschen Polizeipass, der ihm das Reisen erleichterte, und auch reichlich Geld: eine Million Mark.
Es müssen noch weitere Beträge gewesen sein, in einem bislang unbekannten Vermerk aus dem Auswärtigen Amt vom Jahresende 1915 ist nämlich von mehreren “Zahlungen” an Parvus die Rede. Dazu passt, dass das Reichsschatzamt im Frühjahr und Sommer 1915 Millionenbeträge für die Revolutionierung Russlands dem Auswärtigen Amt bewilligte. Da Deutschland sich verpflichtet hat auch Propaganda der Bolschewiki zu bezahlen, erhielt Lenin weiteren 40 Millionen Reichsmark dafür. Hierzu kommen auch Waffen und sonstige Aufrüstung, die Kosten über 50 weiteren Million RM. für bolschewistischen Verschwörer im Auftrag der Zionisten.
Der Geldtransfer – mal bar, mal per Überweisung – lief über ein Büro in der Berliner Wilhelmstraße, eine Art Zentralstelle für inoffizielle Mitarbeiter des Auswärtigen Amts. Der Generalstab hatte es für Geheimdienstoperationen gegründet, die “auf privatem Wege, aber mit Unterstützung aller zuständigen Behörden” durchgeführt werden sollten.
Dabei scheint niemand in der Regierungszentrale auf die Idee gekommen zu sein, dass ein Sturz des Zaren auch Rückwirkungen auf die deutsche Monarchie haben könnte, deren Demokratisierung überfällig war. Wenn man erst siegreich aus dem Weltkrieg hervorgegangen sei, notierte vielmehr der Gesandte in Kopenhagen, Graf Ulrich von Brockdorff-Rantzau mit Blick auf die Arbeiterschaft, könne man auch solche “Elemente zur Mitarbeit heranziehen und um den Thron scharen”, die bislang abseitsgestanden hätten.
Nach dem Gespräch mit Lenin Parvus hat fang an entschlossen gegen die These von der bolschewistischen Unschuld, herum zu sprechen. Es geht dabei um die kontroverse von Rosa Luxemburg, die trotz ihrer Kritik gegen der Führungsstil der Partei, immer wieder behauptete, dass selbst Partei sei „unschuldig“.
Denn an den Knotenpunkten finden sich immer wieder führende Revolutionäre der Lenin-Partei. Moissej Uritzkij etwa, nach der Oktoberrevolution Chef der Petrograder Geheimpolizei Tscheka, arbeitete für Parvus; auch Jakob Fürstenberg, einer der engsten Vertrauten Lenins und nach dem Oktoberputsch Leiter der sowjetischen Nationalbank, oder der diskrete Anwalt Mieczyslaw Koslowski, der die Tscheka mitbegründete. Jeder kannte den anderen aus der Exilzeit, war untereinander oft verwandt, was die Bereitschaft zu Loyalität und Verschwiegenheit für Auftrag der europäischen Zionisten noch verstärkte.
Überall in Europa stößt man auf Bolschewiki: Das Unternehmen, welches die Waren jenseits der russischen Grenze auf dem Schwarzmarkt verkaufte, beschäftigte als Justitiar den Rechtsanwalt Koslowski. Die Buchhalterin, welche die Erlöse nach Kopenhagen bzw. Stockholm transferierte, war mit Fürstenberg verwandt. In den Bankhäusern, über welche die finanziellen Transaktionen liefen, saßen in hohen Positionen Bolschewiki. Galma Stan Altstadt von Stockholm war während des Ersten Weltkriegs ein Dorado für Schmuggler und Agenten, der einzig offene Verbindungsweg Russlands in den Westen.
AKTION „PLOMBIERTER WAGEN“
Ende Mai 1915 traf Helphand in Bern ein, um mit Lenin zu sprechen. Er erschien in einem der russischen Restaurants der Stadt, in dem auch der Bolschewiki verkehrte, und ließ sich an dessen Tisch führen. Gemeinsam gingen sie dann in Lenins Wohnung. Parvus behauptete, er habe Lenin gedrängt, die Revolution in Russland voranzutreiben. Fast zwei Jahre später wurde dort geplant, dass Lenin um jeden Preis nach Petrograd sollte und das auch ohne Verzögerungen, weil „genug Geld dafür bereits bezahlt wurde“ [so Staatsekretär].
Parvus galt unter Genossen als Spekulant und Betrüger, Rosa Luxemburg hatte ihm bereits die Freundschaft gekündigt, Trotzki ebenfalls. Lenin, der schon vor Parvus sich als „deutscher Agent“ etabliert hatte, hatte den Verdacht, Parvus tue dasselbe. Lenin beneidete Parvus und jammerte in seinen Briefen ständig über Geldmangel. Nach dem Treffen mit Lenin erklärte Parvus seinen deutschen Auftraggebern, eine Unterstützung Lenins sei erst möglich, wenn sich zwischen ihnen “die bestehende Spannung ausgeglichen hat”. Bei einem zweiten Treffen 1917, diesmal in Frankfurt, wurde festgelegt, dass Parvus ist nur ein Vermittler und hat kein Interesse an Unternehmen „Revolution.
Am Ende schloss er sich dem Vorschlag anderer jüdischen Emigranten aus Russland und Polen an, die für die Fahrt mit der Eisenbahn durch Deutschland und Skandinavien plädierten. Damals war es ein riskantes Unterfangen, denn dieser Schritt konnte nur mit Zustimmung der kaiserlichen Behörden erfolgen, und Lenin und die anderen fürchteten, sich zu kompromittieren.
Einige wollten daher warten, bis die Provisorische Regierung in Petrograd zustimmte. Lenin nicht. Er bat den Schweizer Sozialisten Fritz Platten, mit ihm zu reisen und vorher dem deutschen Gesandten in Bern seine Bedingungen zu übergeben. So konnte Lenin behaupten, mit keinem Deutschen gesprochen und die Reise aus eigener Tasche finanziert zu haben. Fritz Platten, der Schweizer aus St. Gallen, nach der Putsch der Bolschewiki kam nach Russland und war tätig als Berater in Sachen der Westeuropa, 1939 wurde er wie auch vielen anderen Ausländischen Kommunisten verhaftet und zu 25 Jahren wegen der „Spionage“ verurteilt, jedoch 1942 wurde er im einem KZ am Norden erschoßen.
In der Berliner Führung erhob niemand Einwände, nicht Reichskanzler Bethmann Hollweg und auch nicht Paul von Hindenburg, Chef der Obersten Heeresleitung, dessen Zustimmung das Auswärtige Amt schon aus logistischen Gründen benötigte. So wurde Aktion erlaubt.
Generalmajor Max Hoffmann schrieb später: “Ebenso wie ich Granaten gegen den feindlichen Schützengraben schieße, wie ich Giftgas gegen ihn abblase, habe ich als Feind das Recht, die Mittel der Propaganda gegen seine Besatzung anzuwenden.” Wilhelm II erfuhr von der Reise aus der Presse und regte – wie stets egozentrisch und naiv – sogleich an, den Revolutionären eine seiner Reden und anderes Propagandamaterial mitzugeben – “damit sie in ihrer Heimat aufklärend wirken”. Dazu kam es nicht.
Mit 139 Personen machte sich Lenin am Ende auf den Weg, darunter auch mit mehreren Mitgliedern anderer jüdischer Splittergruppen und Familienangehörigen. Eigentlich sollte die Abfahrt ohne Aufsehen erfolgen, aber auf dem Zürcher Bahnhof ging es dann munter zu, wie der deutsche Militärattaché beobachtete.
Etwa hundert Russen hatten sich versammelt und sie brüllten, die Reisenden seien alle deutsche Spitzel und Provokateure, oder, „man wird euch alle aufhängen, ihr Judenhetzer’”. Ein junger Russe tat sich besonders hervor und rief immer wieder “Provokateure, Lumpen, Schweine”. Als der Zug ausfuhr, sangen jedoch die Parteifreunde Lenins auf dem Bahnsteig die “Internationale”. Über Berlin führte der Weg dann nach Saßnitz auf Rügen, wo die Fähre nach Trelleborg, der schwedischen Hafenstadt, ablegte. Zwei Tage dauerte die Reise bis zur Ostsee-Insel.
Später hieß es, der wohl berühmteste Zug der Weltgeschichte sei plombiert gewesen, was Winston Churchill spotten ließ, Lenin wäre “wie ein Pest-Bazillus” transportiert worden. Wohl waren drei Türen des Waggons plombiert, aber die vierte nutzten Platten und die beiden begleitenden deutschen Offiziere, um Milch für die Kinder entgegenzunehmen oder Zeitungen zu kaufen. Ein Kreidestrich auf dem Boden markierte die Trennung zwischen den “exterritorialen” Abteilen der Russen und denen der Deutschen. Die Reisenden vertrieben sich die Langeweile mit dem Absingen französischer Revolutionslieder, was Platten schließlich untersagte, weil er Ärger mit den Deutschen fürchtete.
Jakob Fürstenberg – der Helphand‘s Geschäftspartner und Vertraute Lenins – nahm die Gruppe in Trelleborg in Empfang. Nach einigen Tagen in Stockholm ging die Reise mit der Bahn über den Grenzort Haparanda nach Russland; entgegen allen Befürchtungen ließ die Provisorische Regierung das zu. Am Abend des 16. April gegen 23 Uhr traf Lenin in St. Petersburg ein.
TROZKI: „WEDER FRIEDEN NOCH KRIEG“
Ein halbes Jahr später eroberte Lenin mit der sog. „Oktoberrevolution“ die in der Tat aber im November stattfand die Macht, auch mit deutscher Hilfe. Bald darauf schloss der neugegründete Sowjetstaat mit dem Reich einen Frieden, der den Deutschen Ruhe an der Ostfront und einen gigantischen Einflussbereich in Osteuropa einbrachte. Mission erfüllt – erst einmal jedenfalls.
Lenin beauftragte Leo Trotzki nach Brest zu gehen und Frieden mit den Deutschen zu schließen. Der kam zurück und gestand: „Ich habe weder einen Krieg noch Frieden fordern können. Wir müssen sofort den Kaiser liquidieren: er will Frieden anbieten, und wir sollen weiter kämpfen“. Lenin, der später zum Genie erklärt wurde, hat es gar nicht verstanden, aber er sagte: „Wenn sie von uns Kampf verlangen, dann müssen wir zuerst dort eine Räterepublik schaffen. Der Kaiser hat seine Aufgabe erfüllt, die Deutschen brauchen ihn nicht mehr.“ Das teilte aus Moskau der Reichsbotschafter Wilhelm Graf von Mirbach-Harff mit.
Das wohl am besten gehütete Geheimnis des Ersten Weltkriegs endet am 4. November 1918 mit einer Farce. Auf Anweisung von ganz oben schmuggeln Berliner Polizisten revolutionäre Flugblätter in eine Kiste des sowjetischen Diplomatengepäcks. Unverzüglich protestiert Moskaus Botschafter Adolf Abramowitsch Joffe im Auswärtigen Amt gegen die inszenierte Provokation. Vergebens – der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Paul von Hintze, wie der deutsche Außenminister damals hieß, forderte, dass Joffe und seine Diplomaten Deutschland spätestens am nächsten Abend verlassen müssen. Zwei Tage nach dem Zwischenfall wird die Residenz “Unter den Linden” der Räterepublik RSFSR, geschlossen.
FRAGEN AN DIE GESCHICHTE
Dank der Veröffentlichung der Archiven des Reichsschatzamtes in NS-Zeit insgesamt Deutschland „kaufte Revolution“ für insgesamt über 200 Millionen RM und bis zu Lenins Verkündigung 1919 der „Weltrevolution“ finanzierte auch bolschewistische Diktatur und dabei half der Tyrannei bei Liquidierung von über 2 Millionen Menschen während des Roten Terrors. Der Kaiser wurde schon entthront und eine „demokratische Revolution“ auch Deutschland an den Zionisten ausgeliefert, so man damals nannte die Weimarer Republik als „Judenrepublik“.
Von Hindenburg fragte: aber warum wurde überhaupt eine solche „RSFSR“ erst anerkannt? „Das ist nur eine Bande der jüdischen Kriminellen“. Parvus und Co. mussten sofort Deutschland verlassen. Aber zunächst musste auch der Kaiser abdanken. Chaos und Wirrwarr nach dem Versailles Diktat stürzte Deutschland an den Rand der staatlichen Existenz. Die „Revolution“ hat dann doch nicht stattgefunden.
Nur 15 Jahre lang erlebte Berlin die Neue Ordnung. Aber die Geschichte hat sich merkwürdigerweise wiederholt. Die Kuschelzeit zwischen Berlin und Bolschewiki wiederholte sich 1939 und die Folgen wurden noch verheerender. Ein Kaiser wurde durch einen Führer ersetzt, vis a vis blieben denselben: die jüdische Bolschewiki.
Ist das vielleicht ein Zeugnis der deutschen Romantik? – fragte Solschenizyn in seinem Super Werk „Das Rote Rad“ und antwortete: ja Kaiser und Führer waren Romantiker – nur die Frage ist: was ist in der Politik besser: Pragmatismus mit harten moralischen Prinzipen oder Romantik mit schönen Träumen?“
Dem Trotzki ist nicht gelungen Kaiser Wilhelm II zu beseitigen, stattdessen wurde in Moskau 1918 enger Freund des Kaisers Botschafter Wilhelm Graf v. Mirbach-Harff am 6. Juli 1918 durch sog. Es-Er sozial-Revolutionäre umgebracht. 57 Jahre später in Stockholm am 24. April 1975 in Stockholm der Verteidigungsattachée bei der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Andreas Baron v. Mirbach durch die RAF ermordet wurde.
1918 ein gewisser A. Goldweiser, Lenins Freund und Chef der NKWD war Auftragsgeber, 1975 ein gewisser Goldenweiser, der General-Oberst des KGB A. Goldenweiser, der RAF betreute und finanzierte, war Auftragsgeber. Die Beiden waren Vater und Enkel, wie auch bei Fam. Mirbach der Fall war. Die beiden Täter wurden kurzdarauf auch ermordet.
Die Geschichte ist Geheimnis und geht oft ganz seltsame Wege. Aber man muss vielleicht daraus lernen, dass eine Allianz mit dem Teufel, wie die Geschichte 1918 und 1939 zeigte, zu keinem andern Ergebnis führen konnte. Die beiden Länder dafür haben nicht nur mit Zerstörung und Tod zahlen mussten, sondern mit Verlust der Freiheit und Souveränität.
Auch Karl Jaspers fragte: „…ob wirklich das stimmt, woran Millionen glauben, dass Deutschlands größte Katastrophe erst 1945 stattgefunden hat? Nein, die war nur eine logische Folge der Aktion „Plombierter Wagen“ vom 1917“.
< http://www1.ku-eichstaett.de/ZIMOS/forum/docs/Parvus.html#_ftnref10 >
< http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D3676.php >
< http://www.parvus-archiv.org/index.php/content/view/26/42/lang,de/ >
< http://www.youtube.com/watch?v=oaRrMPg7sFI >
< http://www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Archiv&Id=852 >
< http://www.hschamberlain.net/briefe/briefe0_index.html >
< http://hronograf.narod.ru/08/zaslon.htm >
< http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D3676.php >
Bildernachweis: v. l. n. r. in meiner Collage: Kaiser und Zar in Kronstadt [1912, Postkarte], Parvus – Bild von Ochranka, St. Petersburg 1914, Kaiserparade in Berlin, 1913 – Preußischer Archiv, Berlin, Ankunft der Bolschewiki in Stockholm, „Svenska Dagbladet“ 1917, Lenin – Fotoarchiv des ZK KPdSU seit 1992 freigegeben.
Ich bin am 22.11.1940 in Finnland (Elisenwaara, bei Vipori) geboren. Nach dem 2. sowjteischen Attacke auf Finnland (sog.
Jurij Below
http://www.news4press.com/KAISER-WILHELM-II-UND-BOLSCHEWIKI-_622657.html
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Gruß
Der Honigmann
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