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Posts Tagged ‘Sonntagsansichten’


Ist es jeder Vierte
ist es jeder Dritte
aber sie sind hier
ganz in unsrer Mitte
jeder kann es sein
keinem kann man trauen
manchmal sind es Männer
ab und zu auch Frauen.

Sie wollen uns zerstörenschneemaenner
sie wollen uns vernichten
nichts wird sie dazu bringen
darauf zu verzichten
wir möchten das verdrängen
und einfach ignorieren
uns weiter davor drücken
den großen Kampf zu führen.

Willkommen liebe Mörder
fühlt euch wie zuhause
bedient euch macht es euch bequem
kurze Atempause
nichts nehmen wir euch übel
Empörung nicht die Spur
ihr habt halt eine andere
Umbringekultur.

Jeder sieht es kommen
die Bedrohung steigen
jeder ist beklommen
keiner will es zeigen
laßt uns das vertuschen
nicht darüber reden
alle gegen alle
jeder gegen jeden.

Sie pflegen fremde Bräuche
so lautet das Gerücht
Genaueres weiß keiner denn
man erkennt sie nicht
und wenn sie unter sich sind
dann lachen sie uns aus
nie würden sie behaupten
mein Haus ist euer Haus.

Willkommen liebe Mörder
wir sind so tolerant
die Dunkelheit bricht bald herein
über dieses Land
wir reichen euch die Kerzen
damit ihr besser seht
und euch das nächste Opfer nicht
durch die Lappen geht.

Willkommen liebe Mörder
ein viel zu hartes Wort
wir haben doch Verständnis
ihr nennt das nicht mal Mord
ihr tut’s aus Überzeugung
und wenn man’s überlegt
wir sind so schlaff und müde wir
gehören weggefegt.

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 Heinz-Rudolf Kunze
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Gruß an die Wahrheiten
Der Honigmann
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Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.

Joseph von Eichendorff

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Gruß an die Mädchen

Der Honigmann

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Auch uns, in Ehren sei’s gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.

Wie reizend fand man dazumalkarneval
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht,

Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann konnten gleich die frömmsten Frau’n
Sich negativ an uns erbau’n.

Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach’ uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
Durchs umgekehrte Perspektiv.

Wilhelm Busch

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Gruß an die Sonntagsleser

Der Honigmann

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Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
vor dem das Beste selbst zerfällt,
und wahre dir den vollen Glauben frau-mit-kind
an diese Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
das lächelnd auf den Säugling blickt,
und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
ist nur der eigene Widerschein.

Theodor Fontane

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Gruß an die Frauen

Der Honigmann

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Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren. amsel-hahn
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

Erich Kästner

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Gruß an den Winter

Der Honigmann

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In Memoriam

Elvis Presley Love Me Tender

Presley Elvis

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Gruß an die Elvis-Fans

Der Honigmann

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Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben FrauenWeihnachtsbilder
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

 Joseph von Eichendorff

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Gruß an alle

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Gott mit uns: Gott mit uns! Höchster Wunsch,
Den sterblicher Mund getönt und je tönen wird,
Mag Phoebus erwachen oder
Öffnet des Jahrs Pforte sich neu.eine schöne Weihnachtszeit

Nachtumgähnt wallt der Mensch seinen Pfad,
Und unter der Sohle schwankt der Grund oft geheim;
Unwetter bedrohn verborgen,
Spielend im Wind, Nacken und Haupt!

Gleich dem Talschweizer, der wanken sieht
Das lose Gestein, bereit vom Bergüberhang
Dachschmetternden Falls zu rollen
Unter des Sturms erstem Gebrüll:

Also sorgt stets der Mensch kummervoll;
Zu flüchten in seiner Not, umsonst schaut er um:
Kein Haven und keiner Küste
Wohnliche Statt tröstet den Blick!

Gott mit uns! sing’ er drum immerdar,
Der schwärmenden Wachtel gleich in lenzfrischen Au’n;
Nur diese gefeite Losung
Hindert den Fall, rettet das Haus.

Johannes Minckwitz,

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Gruß an die Küste

Der Honigmann

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Über Berg und Tal
Mit lautem Schall
Tönet ein Liedchen.
Durch Schnee und Eis
Dringt es so heiß
Bis zu dem Hüttchen.
Wo das Feuer brummt,liebchen
Wo das Rädchen summt
Im traulichen Stübchen.
Um den Tisch herum
Sitzen sie stumm.
Hörst du mich, Liebchen?
Im kalten Schnee,
Sieh! wie ich steh,
Sing zu Dir, Mädchen!
Hat denn mein Lied
So dich erglüht
Oder das Rädchen?
O liebliche Zeit
Wie bist du so weit!
O selige Stunden!
Ach nur ein Blick
War unser Glück.
Ewig verschwunden!

Gustav Mahler

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Gruß an die Zeiten

Der Honigmann

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Von drauss‘ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und droben aus dem Himmelstor
sah mit grossen Augen das Christkind hervor;

Und wie ich so strolcht‘ durch den finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:

„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,knecht-ruprecht-mit-kind
hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,

Alt‘ und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;

Ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.“

– „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier:

Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.“

– „Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;

Doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.“

Christkindlein sprach:“ So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauss‘ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Autor: Theodor Storm

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Die Blumen sind verblüht im Tal,
Die Vöglein heimgezogen;
Der Himmel schwebt so grau und fahl,
Es brausen kalt die Wogen.
Und doch nicht Leid im Herzen brennt:1.advent
Es ist Advent!

Es zieht ein Hoffen durch die Welt,
Ein starkes, frohes Hoffen;
Das schließet auf der Armen Zelt
Und macht Paläste offen;
Das kleinste Kind die Ursach kennt:
Es ist Advent!

Advent, Advent, du Lerchensang
Von Weihnachtsfrühlingstunde!
Advent, Advent, du Glockenklang
Vom neuem Gnadenbunde!
Du Morgenstrahl von Gott gesendt!
Es ist Advent.

Friedrich Wilhelm Kritzinger

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Gruß an die Hoffnung

Der Honigmann

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Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdrießlich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ’ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter! schietwetter
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn’ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelstau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
Einer dicken Träne gleich.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch‘ unvernünft’ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Gräuel schauen zu!

Heinrich Seidel

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Gruß an den Sonnenschein

Der Honigmann

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»Leb wohl, mein Weib«, sprach Hans ohne Land.
»Mich rufen hohe Zwecke;
Ein andres Weidwerk harret mein,
Ich schieße jetzt andre Böcke.

Ich laß dir mein Jagdhorn zurück, du kannstbriefmarke-6-er-thueringen
Mit Tuten, wenn ich entfernet,
Die Zeit vertreiben; du hast ja zu Haus
Das Posthorn blasen gelernet.

Ich laß dir auch meinen Hund zurück,
Daß er die Burg behüte;
Mich selbst bewache mein deutsches Volk
Mit pudeltreuem Gemüte.

Sie bieten mir an die Kaiserkron‘,
Die Liebe ist kaum zu begreifen;
Sie tragen mein Bild in ihrer Brust
Und auf den Tabakspfeifen.

Ihr Deutschen seid ein großes Volk,
So simpel und doch so begabet!
Man sieht euch wahrhaftig nicht an, daß ihr
Das Pulver erfunden habet.

Nicht Kaiser, Vater will ich euch sein,
Ich werde euch glücklich machen –
O schöner Gedanke! er macht mich so stolz,
Als wär ich die Mutter der Gracchen.

Nicht mit dem Verstand, nein, mit dem Gemüt
Will ich mein Volk regieren;
Ich bin kein Diplomatikus
Und kann nicht politisieren.

Ich bin ein Jäger, ein Mensch der Natur,
Im Walde aufgewachsen
Mit Gemesn und Schnepfen, mit Rehbock und Sau,
Ich mache nicht Worte, nicht Faxen.

Ich ködre durch keine Proklamation,
Durch keinen gedruckten Lockwisch;
Ich sage: Mein Volk, es fehlt der Lachs,
Begnüge dich heut mit dem Stockfisch.

Gefall ich dir nicht als Kaiser, so nimm
Den ersten besten Lausangel;
Ich habe zu essen auch ohne dich,
Ich litt in Tirol nicht Mangel.

So red ich; doch jetzt, mein Weib, leb wohl!
Ich kann nicht länger weilen;
Des Schwiegervaters Postillion
Erwartet mich schon mit den Gäulen.

Reich mir geschwind die Reisemütz‘
Mit dem schwarzrotgoldnen Bande –
Bald siehst du mich mit dem Diadem
Im alten Kaisergewande.

Bald schaust du mich in dem Pluvial,
Dem Purpurtalar, dem schönen,
Den weiland dem Kaiser Otto geschenkt
Der Sultan der Sarazenen.

Darunter trag ich die Dalmatika,
Worin gestickt mit Juwelen
Ein Zug von fabelhaftem Getier,
Von Löwen und Kamelen.

Ich trage die Stola auf der Brust,
Die ist gezieret bedeutsam
Mit schwarzen Adlern im gelben Grund;
Die Tracht ist äußerst kleidsam.

Leb wohl! Die Nachwelt wird sagen, daß ich
Verdiente, die Krone zu tragen –
Wer weiß? Die Nachwelt wird vielleicht
Halt gar nichts von mir sagen.«

Heinrich Heine

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Gruß an die Geschichte

Der Honigmann

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Mit Kränzen haben wir das Grab geschmückt,
die stille Wiege unsrer jungen Toten;
den grünen Efeu haben wir gepflückt,
die spätsten Astern, die das Jahr geboten.
Hier ruhn sie waffenlos in ihrer Gruft,Welle (800x533)
die man hinaustrug aus dem Pulverdampfe;
vom Strand herüber weht der Meeresduft,
die Schläfer kühlend nach dem heißen Kampfe.
Es steigt die Flut; vom Ring des Deiches her
im Abendschein entbrennt der Wasserspiegel;
ihr schlafet schön! Das heimatliche Meer
wirft seinen Glanz auf euren dunklen Hügel.
Und rissen sie die Farben auch herab,
für die so jung ihr ginget zu den Bleichen,
o schlafet ruhig! Denn von Grab zu Grab
wehn um euch her der Feinde Wappenzeichen.
Nicht euch zum Ruhme sind sie aufgesteckt;
doch künden sie, daß eure Kugeln trafen,
daß, als ihr euch zur ew’gen Ruh gestreckt,
den Feind ihr zwanget, neben euch zu schlafen.
Ihr aber, denen ohne Trommelschlag
durch Feindeshand bereitet ward der Rasen,
hört dieses Lied! und harret auf den Tag,
daß unsre Reiter hier Reveille blasen! –
Doch sollte dieser heiße Lebensstreit
verloren gehen wie euer Blut im Sande,
und nur im Reiche der Vergangenheit
der Name leben dieser schönen Lande:
In diesem Grabe, wenn das Schwert zerbricht,
liegt deutsche Ehre fleckenlos gebettet!
Beschützen konntet ihr die Heimat nicht,
doch habt ihr sterbend sie vor Schmach gerettet.
Nun ruht ihr, wie im Mutterschoß das Kind,
und schlafet aus auf heimatlichem Kissen;
wir andern aber, die wir übrig sind,
wo werden wir im Elend sterben müssen!
Schon hatten wir zu festlichem Empfang
mit Kränzen in der Hand das Haus verlassen;
wir standen harrend ganze Nächte lang,
doch nur die Toten zogen durch die Gassen,. –
So nehmet denn, ihr Schläfer dieser Gruft,
die spätsten Blumen, die das Jahr geboten!
Schon fällt das Laub im letzten Sonnenduft –
auch dieses Sommers Kranz gehört den Toten.
Theodor Storm
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Gruß an die Ahnen
Der Honigmann
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Nun spinnen sich die Tage ein,
Nicht einer will mehr freundlich sein,
Sie müssen sich alle besinnen
Auf eine Hand voll Sonnenschein
Und gehen dürftig von hinnen,
Wie Wasser im Sande verrinnen.blaetter-unterm-baum

Die Menschen wandern hinterdrein,
Still einzeln oder still zu zwein
Und sehen die Blätter verfliegen
In alle vier Wände hinein.
Sie möchten im Sonnenschein liegen
Und müssen sich fröstelnd schmiegen.

So war es tausend Jahr und mehr,
Mit Blindheit kommt der Herbst daher.
Gern will ihn keiner sehen,
Er macht ja alle Wege leer.
Er muß zur Seite gehen
Und muß um Mitleid flehen.

Und so geht’s tausend Jahre fort.
Vergänglichkeit, du müdes Wort,
Du lösest ab die Tage;
Du duldest weder Zeit noch Ort,
Machst Wirklichkeit zur Sage,
Den Liebesrausch zur Klage.

Max Dauthendey

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Gruß an die Liebe

Der Honigmann

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Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei’s zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?

Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen? herbst-winter
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.

Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sind’s Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.

Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.

Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte Er’s.

Erich Kästner

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Gruß an die Erneuerung

Der Honigmann

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Es rollt der Mops im Gurkenglase,
die Stäbchen durch den Leib gesteckt.
Im Wasser tollt der Nordseehase,
wo sonst so mancher Fisch verreckt.

Viel besser geht’s der Ölsardine,
läuft häufig doch ein Tanker aus.
Fürwahr, in mancher Fresskantine
macht Frikadellen man daraus.

Schon nagt am Unterwasserkabel
mit Sicherheit der Kabeljau.
Vor lauter Umweltsündenbabel
wird nicht nur die Forelle blau.

Im Wrack tobt wütend die Moräne,moraene
und Strom erzeugt der Zitteraal.
Den Menschen plagt im Kopf Migräne,
doch rücksichtslos jagt er den Wal.

Ist auch die Leber längst vergiftet,
man trachtet ihm nach Speck und Tran.
So wird das arme Viech geliftet
und endet dumpf im Fischerkahn.

Den Thunfisch metzelt der Japaner,
vernichtet gar den Freund Delphin.
Kaum ernst genommen wird der Mahner.
Noch steht ja nicht der Schlusstermin.

Vertilgt wird alles, was sich regte,
gegrillt, gekocht, geröstet, pur
und was sich lebensfroh bewegte.
Oh Schöpfer, schütze die Natur !!!

Cajus Pupus

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Gruß an die Meeresfrüchte

Der Honigmann

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Wer würde weinen über das Blatt am Baum….

irgendwann fällt es, schwebt tanzend zu Boden, verlässt bunt geschmückt
den angestammten Raum.

Schenkt zum Abschied den Wurzeln seine kleine Kraft,
dankt und verneigt sich und weiß um die Macht, die Neues schafft.

Und alles ist hier und jetzt und kann so sein in seiner Wirklichkeit:

der zarte Spross im Maiengrün, das große Blatt im Sonnenlicht,
so will es bleiben, auf Zierde und Stolz erpicht.blatt

Doch da hängt schon das bunte Abschiedskleid.
zieh es an und mach dich bereit.

Der Tanz beginnt und wer spricht von Leid?

Ein Reigen ist’s, ein buntes Rad,
leicht, fröhlich sich schenkend, sinkt’s auf die Erde herab.

Weiß es doch, es kommt immer wieder
die Boten des Frühlings rufen es,
singen so schön ihre Lieder.

Voller Erwartung vibriert der Baum,
so nackt im Winter unter dem kalten Pflaum.

Da bist du endlich, mein maiengrüner Sproß, mein stolzes Blatt,
und meiner Krone Zier – bald kommt der Abschied wieder,
aber nur hier.

Wer würde weinen über das Blatt am Baum….

Lieselotte Matheus-Mauch

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Gruß an die Natur

Der Honigmann

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Wenn ich an einem schönen Tag herbst-wald
Der Mittagsstunde habe acht,
Und lehne unter meinem Baum
So mitten in der Trauben Pracht.

Wenn die Zeitlose übers Tal
Den amethistnen Teppich webt,
Auf dem der letzte Schmetterling
So schillernd wie der frühste bebt.

Dann denk‘ ich wenig drüber nach,
Wie’s nun verkümmert Tag für Tag,
Und kann mit halbverschlossnem Blick
Vom Lenze träumen und von Glück.

Du mit dem frischgefallnen Schnee,
Du tust mir in den Augen weh!
Willst uns den Winter schon bereiten:
Von Schlucht zu Schlucht sieht man ihn gleiten,
Und bald, bald wälzt er sich herab
Von dir, o Säntis! ödes Grab!

Annette von Droste-Hülshoff

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Gruß an die Herbstzeit

Der Honigmann

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Heute bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren.
Noch schlagen die Wellen da wild und empört
wie damals, als sie die Marschen zerstört.
Die Maschine des Dampfers schütterte, stöhnte,
aus den Wassern rief es unheimlich und höhnte:
Trutz, Blanke Hans!

Von der Nordsee, der Mordsee, vom Festland geschieden,
liegen die friesischen Inseln im Frieden,
und Zeugen weltenvernichtender Wut,
taucht Hallig auf Hallig aus fliehender Flut. 
Die Möwe zankt schon auf wachsenden Watten,
der Seehund sonnt sich auf sandigen Platten.
Trutz, Blanke Hans!

Mitten im Ozean schläft bis zur Stunde
ein Ungeheuer, tief auf dem Grunde.
Sein Haupt ruht dicht vor Englands Strand,
die Schwanzflosse spielt bei Brasiliens Sand.
Es zieht, sechs Stunden, den Atem nach innen
und treibt ihn, sechs Stunden, wieder von hinnen.
Trutz, Blanke Hans!

Doch einmal in jedem Jahrhundert entlassenRungholt
die Kiemen gewaltige Wassermassen.
Dann holt das Untier tiefer Atem ein
und peitscht die Wellen und schläft wieder ein.
Viel tausend Menschen im Nordland ertrinken,
viel reiche Länder und Städte versinken. 
Trutz, Blanke Hans!

Rungholt ist reich und wird immer reicher,
kein Korn mehr fasst selbst der grösseste Speicher.
Wie zur Blütezeit im alten Rom
staut hier alltäglich der Menschenstrom.
Die Sänften tragen Syrer und Mohren,
mit Goldblech und Flitter in Nasen und Ohren.
Trutz, Blanke Hans!

Auf allen Märkten, auf allen Gassen
lärmende Leute, betrunkene Massen.
Sie ziehn am Abend hinaus auf den Deich:
"Wir trutzen dir, Blanker Hans, Nordseeteich !"
Und wie sie drohend die Fäuste ballen,
zieht leis aus dem Schlamm der Krake die Krallen.
Trutz, Blanke Hans!

Die Wasser ebben, die Vögel ruhen,
der liebe Gott geht auf leisesten Schuhen,
der Mond zieht am Himmel gelassen die Bahn,
belächelt den protzigen Rungholter Wahn.
Von Brasilien glänzt bis zu Norwegs Riffen
das Meer wie schlafender Stahl, der geschliffen.
Trutz, Blanke Hans!

Und überall Friede, im Meer, in den Landen.
Plötzlich, wie Ruf eines Raubtiers in Banden:
das Scheusal wälzte sich, atmete tief
und schloss die Augen wieder und schlief.
Und rauschende, schwarze, langmähnige Wogen
kommen wie rasende Rosse geflogen.
Trutz, Blanke Hans!

Ein einziger Schrei- die Stadt ist versunken,
und Hunderttausende sind ertrunken.
Wo gestern noch Lärm und lustiger Tisch,
schwamm andern Tags der stumme Fisch.
Heut bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor sechshundert Jahren.
Trutz, Blanke Hans!

Detlev von Liliencron

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Gruß an die Nordlichter

DerHonigmann

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